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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
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Heimath, Geburt und Jugend des seligen Albertus. 5

in der Erziehung der Völker und der Einzelnen, war ja noch überalldie herrschende, nnd an dem Herkömmlichen, Bewährten nicht ohnedringende Nothwcndigkcit zn ändern, galt von jeher als Grundsatz derKirche und ihrer Institute.

Da wir nun aus dem Ende des zwölften Jahrhunderts ein Buchbesitzen, das uns über den Unterricht der Knaben in jener Zeit Auf-schluß gibt ft, so können wir wohl annehmen, daß der junge Albertusgleichfalls diesen Weg geführt wurde.

In dem Alter von sieben Jahren kam der Knabe in die Schule,um vorerst Lesen und Schreiben zn lernen. Da dieses wenige Zeit inAnspruch nimmt ft, so mußte der Knabe bald einen lateinischen Gram-matiker kennen lernen, entweder den Dvnat oder den Priscian oderden Didymns. Bei dem hohen Preise der Bücher in jener Zeit wares natürlich wenigen Schülern möglich, sich ein solches Lehrbuch anzu-schaffcn. Man war also meist genöthigt, durch oftes Vorsagen dieRegeln den Schülern einznprägcn oder ihnen dieselben zu diktiren.Dieß gilt nicht bloß von solchen Grammatiken, sondern auch von dengleich zu erwähnenden Klassikern. Der Text derselben wurde den Schü-lern meist stückweise diktirt, dann erklärt. Hatte der Knabe die An-sangsgründe der lateinischen Sprache sich zu eigen gemacht, so erhielter vor Allem das Psalterium, dessen Lieder er seinem Gedächtniß ein-prägen mußte, um fromme Gedanken und Gefühle daraus zu schöpfen,sowie auch, um am öffentlichen Psalmcngcsang in der Kirche Thcilnehmen zu können. Daß auch bei unserm Albertus dieser Gang ein-gehakten wurde, möchte der Bericht des Chronisten selbst andcutcn,wenn er sagt:Albertus gab bald Andeutungen dessen, was einst ansihm werden sollte. Statt den muthwilligen Ergötzungen seiner Alters-genossen sich hinzugcbcn, liebte er es, die Kirchen zu besuchen und dortdie Psalmen nnd Hymnen nnt dem Klerus zu singen ft." Diese An-gabe setzt offenbar voraus, daß Albertus schon frühe das Psalteriumgelesen nnd sich eingeprägt habe. Nnd wie könnten wir auch daranzweifeln, wenn wir die Schriften dieses Mannes lesen, die eine un-glaubliche Kenntniß des heiligen Liederbuches der Kirche zeigen? Man

1) Das voetrinale puerorum, das fälschlich dem Boethlus zugeschrieben wird,in der That aber am Ende des zwölften Jahrhunderts entstanden ist. Vgl. Daniel,die klassischen Studien in der christlichen Gesellschaft. S. 106.

2) So sagt jenes Werk! Wie lange Zeit erfordert die gleiche Aufgabe in derNeuzeit trotz der zahllosen Verbesserungen der Lehrmethode I

3) Rudolph.