lMWW
iE
4 Kapitel I.
Wahrscheinlich hatte der ältere Albertus durch die Macht seines Wortesdiesen jüngeren Bruder bewogen, auch ihm nachzueilen aus dem sturm-vollen Meere in den süßen Port deö klösterlichen Lebens. Sonst hörenwir.nie von ihm.
Was die Biographen von den Tagen der Kindheit unsers Heldender Wissenschaft zu berichten wissen, beschränkt sich ans Folgendes.Sie sagen: „Albertus hat von der Frühe seines Lebens eine sorg-fältige Erziehung genossen. Er wurde dem Unterrichte im göttlichenGesetze übergeben und in den Anfängen der Wissenschaften unter-wiesen *)." Die erste Angabe bezieht sich wohl ans die Pflege, dieder junge Edle im Hause seiner Eltern gefunden. Und wer könntezweifeln, daß diese kostbare Pflanze frühzeitig von dem Arme eineskraftvollen Vaters an den Stab der heiligen Zucht gewöhnt worden,da sie später so überreiche Frucht der Weisheit und der Sitte gebrachthat? Und nicht weniger gewiß ist, daß er von den ersten Jahren anans dem Munde einer frommen Mutter die stärkende Milch des reli-giösen Unterrichts empfangen habe! Ebenso gewiß hat auch der Körperdes jungen Adeligen in jenen Tagen durch alle Uebnngen des ritter-lichen Lebens jene Frische, Gesundheit und Kraft sich erworben, durchdie er dem Geiste bis in das höchste Greisenalter ein tüchtiges Organder umfassendsten Thätigkeit darbot. Zn dieser häuslichen Erziehungtrat aber nach obiger Erzählung bald auch die Unterweisung in denAnfängen der Wissenschaft. Ob er diese durch einen Kapellan oderOrdenspriester im Vatcrhanse oder in einer Klosterschulc der Umgebungempfangen 2), können wir wieder nicht bestimmen. Volksschulen imSinne der Neuzeit gab es damals noch nicht, nur an den Kathedralenund Klöstern waren Schulen errichtet, wo den für den geistlichen Standbestimmten Knaben und auch Söhnen des Adels Erziehung und Unter-richt zu Theil wurde.
Dagegen können wir uns so ziemlich eine Vorstellung bilden vondem Lehrgänge, den auch ohne Zweifel unser Albertus durchzumachenhatte. Denn die alte Methode der Benediktiner, dieser großen Meister
Verwandte desselben gelebt. Die Nonnen kamen dahin im I. 1250 nach Stetten'sGcsch. v. Augsburg. V, 70.
11 Rudolph. Prusfia sagt: Die n xÜ8 pnrsntidus viam Domini n xueritiaost eäoetus, iinäitus al> iisäem litterm imbuenäis. p. 78.
2) Wie Thomas von Aquin in Monte Cassino, und früher Hngo von St- Viktorim Kloster Hamersleben bei Halberstadt. Vgl. Licbner's Hugo von St. Viktor.Leipzig 1832. S. 18.