Heimath, Geburt und Jugend des seligen Albertus. 3
die Tradition der Stadt Launigen an einer Ecke des Marktplatzes dasHaus, in dem die Herren von Bollstatt gewohnt, und wo also dergroße Meister das Licht der Welt erblickt hat
Uebcr die Tage der Kindheit des Albertus ist fast undurchdringlichesDunkel ausgebreitct. Wir finden hier die nämliche Erscheinung, die unsbei den meisten großen Persönlichkeiten des Mittelalters entgcgentritt.Erst wenn der Glanz ihrer Tugenden, der Ruhm ihrer Werke die Welterfüllt, dann wenden sich die Augen der Zeitgenossen staunend und for-schend solchen erhabenen Gestalten zu und fragen, woher sie gekommen,welchen Weg sie bisher zurückgclegt. Dann aber sind die Zeugen ihrerKindheit meist schon lange hcimgegangcn, die darüber Kunde zu gebenvermocht hätten. Sie selbst aber, ganz vom Geiste der ungchenchelten,christlichen Dcmuth erfüllt, lassen sich nur ganz selten bewegen, von sichselbst zu sprechen und Aufschlüsse über ihr eigenes Leben zu geben ^).Und so kommt cs, daß auch Albertus in seinen zahllosen Schriftenseiner Heimath, seiner Familie, der Zeit seiner Kindheit nie Erwäh-nung thut, und daß auch die Biographen nur in ein paar allgemeinenmageren Notizen sich über diese Frühperiode seines Lebens aussprechcn.Uebrigens hat ja das Kind auch noch keine eigentliche Geschichte, eshat sein Leben noch zu wenig Eigcnthümlichkeit, zu wenig hervorragen-des, geistiges Gepräge, cs ist noch zu sehr an die Natur gebunden,als daß es Gegenstand umfassender, geschichtlicher Darstellung werdenkönnte, es gleicht sich in der Regel das Leben der Kinder eines be-stimmten Standes, wie das Gesicht zahlloser Kinder auffallende Aehn-lichkeit zeigt. — Ans dem Munde des Albertus erfahren wir nur,daß er noch einen jüngeren Bruder Heinrich gehabt, der gleich ihm inden Orden des heiligen Dominikus getreten und als Prior des Prediger-klosters zu Würzbnrg gestorben ist. Diesen nennt er nämlich in seinemTestamente, das wir später mittheilen werden, feinen leiblichen Bruderund setzt ihn in die Zahl der Exekutoren feines letzten Willens ^).
1) Daß übrigens das jetzige, allerdings alierthümliche Haus nicht mehr das ur-sprüngliche, aus dem zwölften Jahrhundert stammende Wohnhaus der Bollstätter sei,brauche ich wohl nicht zu erwähnen.
2) Auch Ließ gehört zur Objektivität des Mittelalters! Während es von derHerrlichkeit der Objekte der Wissenschaft voll Entzücken redet, vergißt es sich selbst ganzund gar. Welch ein Gegensatz zur modernen Zeit, in der Schriftsteller und Dichteroffenbar am liebsten vom eignen Ich zu reden pflegen!
3) Da Albertus in demselben Testamente auch das Katharinenkloster zu Augsburgmit einer Schenkung bedenkt, wäre wohl möglich, daß dort eine Schwester oder
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