Leöen des heiligen Unsgar, Apostels von Dänemark undSchweden, und die Geschichte der Verbreitung des Christen-thums im skandinavischen Norden. Von It. Tappchorn, Caplanan der Martinikirche zu Münster. XII und 290 S. Gr. 8.1863. Geheftet I Thlr. 10 Sgr.
Am 3. Februar 1865 sind tausend Jahre verflossen, seitdem dergroße Apostel des skandinavischen Nordens, der h. Ans-gar, erster Erzbischof von Hamburg-Bremen, durch den Tod vondem Schauplatze seiner großartigen Wirksamkeit abgernfen wurde. SeinAndenken ist bisher nicht geschwunden; es haftete tief im Herzen des ka-tholischen Volkes von Dänemark und Schweden, so lange es noch seineFeste feierte und seine Reliquien verehrte. Auch der Sturm der Refor-mation vermochte dieses Andenken nicht ganz zu vertilgen: vor etwadreißig Jahren begingen zuerst die Dänen und bald darauf die Schwedenin ihrer Weise feierlich das tausendjährige Gedächtuiß der Ankunft ihresersten Apostels. Uns Deutschen kann dieser Apostel der uns stammver-wandten kräftigen und reichbegabtcn Völker des Nordens nicht gleichgültigsein; uns Katholiken, die wir die Heiligen aller Nationen als die uusrigenanerkennen, muß der h. Ansgar doppelt thener und verehrungswürdig er-scheinen. Es war aber dieser große Mann, der auf die Verhältnisse seinerZeit einen so tiefen Einfluß übte, daß Dölliuger ihn unbedenklich dem h.Bouifacius, dem h. Patritius, dem h. Franciscus Xaverius an die Seitestellte, bisher Vielen, selbst Theologen, eine fast nur dem Namen nachbekannte Persönlichkeit. Auch war eine neue Darstellung seines Lebenslängst als dringendes Bedürfniß anerkannt,
Das veranlaßte den Verfasser des hier angckündigtcn Werkes zueingehenden Studien über Ansgar; und hatten diese ihn zu dem Entschlüssegeführt, bas Leben desselben zu bearbeiten, so wurde er darin noch mehrbestärkt durch den Umstand, daß der hochw. Bischof von Osnabrück, demals apostolischem Vicar der nordischen Missionen auch die Katholiken vonHamburg und Bremen sowie von Dänemark untergeben sind, für das imJahre 1865 in seinem Sprengel zu feiernde tausendjährige Jubiläumdringend das Erscheinen einer würdigen Biographie des Heiligen wünschte.Der Verfasser hat unter Benutzung aller vorhandenen Quellen und Hülfs-mittel durchaus kritisch gearbeitet, mit größtem Fleiße Alles gesammelt,was uns von den Lebensnmstäuden des h. Ansgar überliefert ist, undeine solche Darstellung gewählt, daß einerseits und ganz vorzüglich demhistorischen Interesse, andererseits aber auch dem allgemeinen Verständnisseund der Erbauung Rechnung getragen ist. Ersteres veranlaßte ihn, denLeser mit den höchst interessanten geographischen, ethnographischen, mytho-logischen und historischen Verhältnissen des skandinavischen Nordens eini-germaßen bekannt zu machen, und das Leben und Wirken Ansgar's imZusammenhänge mit den großen Bewegungen seiner Zeit zu erzählen.Weiterhin macht sich das Bedürfniß geltend, die Geschichte der Begründungdes Christenthums in Dänemark und Schweden bis zu dem Zeitpunktefortzuführen, wo dasselbe als fest begründet angesehen werden konnte, unddaneben in gleicher Weise die Christianistrung des norwegischen Volkes zubehandeln. Es konnte bei diesen drei Völkern, wie mit dem h. Ansgarder Anfang gemacht wurde, jedesmal mit einem Nationalheiligen, und