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5 (1852) Der kleinen Schriften zweiter Theil
Entstehung
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Ich verstehe dich nicht, du bist Wohl wieder melancholisch, wenn ich schlafe, ob ich da nichts wisse; nun das weiß ichnicht. Manchmal träume ich auch, und wenn ich hier bei dirstehe, und du sprichst nicht, oder ich bin schläfrig, so wünscheich, Joseph wäre bei mir, und spräche vertraulich mit mir, wieer nun bald abreise und wir Briefe miteinander wechseln wollen.Auf diese Briefe freue ich mich sehr, denn ich habe noch anNiemand geschrieben; es ist mir wie ein neuer Sinn, der miraufgehen soll, und ich denke schon oft ganze Briefe an ihn aus."

Du bist glücklich, du liebst Josephen wohl."

Ich denke meistens an ihn, liebe ihn lieber als den Vater,und kann denken, daß ich gern mein ganzes Leben mit ihm seinmöchte: wenn dies Liebe ist, so hast du recht."

Ich habe Recht, das ist Liebe, das ist deine Liebe."

Meine Liebe? gibt es denn mehr als Eine Liebe."

Es gibt vielleicht nur Eine, aber jeder Mensch hat wohldoch eine andere. Mir ist nicht so, wie dir, wenn ich hierstehe; cs ist mir, als müsse ich mich verlieren in ein anderesWesen, wie die Bäume dort sich ineinander verlieren; ichmöchte nicht immer Annonciata sein, und doch weiß ich nicht,wie ich das soll; ich kenne Niemand, in den ich mich verwandtenkönnte; ich möchte oft sterben, um nicht mehr allein zu sein,und sterben, für wen? das kann ich auch nicht sagen, und dasist es, was ich immer empfinde, und Abends mehr als sonst;das ist es, was mich im Herzen drückt, und wenn so der kühleWind weht, wird mir es besser, ich fühle dann in meinemHerzen, als sei ich gut, als tröste ich mich mit der Ruhe dadraußen in der Nacht und dem Glücke der Natur."

So sprachen die beiden Mädchen noch lange, Wcllncrnflössen die Thräncn über die Wangen; er hätte noch gerne zuge-hört, aber er konnte die kühle Luft nicht vertragen. Er schloß