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5 (1852) Der kleinen Schriften zweiter Theil
Entstehung
Seite
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Sarges heraus, und indem sie die weiten Aermel ein wenigüber den hagern elfenbeinernen Händen der Ahnfrau in dieHöhe zog, sprach sie: ,,Sieh, Gackeleia, da bewährt sich dasSprichwort wieder an der Klaue kennt man den Löwenund an der Hand die Gräfin von Hennegau. Wenn wir esauch nicht wüßten, so würden uns diese Hände sagen, daß sieder Gräfin Amey von Hcnnegau gehören. Sieh, Gackeleia,von ihr haben wir die sogenannten Hennegau'schen Docka-daumen oder Gnadendaumen geerbt." Gackeleia küßte dieHände der Ahnfrau ehrerbietig, indem sie den Vater fragte:Woher denn der Name Hennegau'sche Gnadendaumen komme?Da erwiederte Gockel:Die ganze Hennegau'sche Familiestammt mütterlicher Seite von einem römischen Kaiser Curiound dessen Weib Docka her, die Christen geworden, nachDeutschland gezogen und auch das Land Vadntz gegründet. Eswar aber bei den heidnischen Römern eine grausame Belusti-gung, Männer mit Schwcrdtern auf Tod und Leben mit ein-ander fechten zu sehen. Wenn nun einer der Kämpfer unterlag,setzte ihm der andere das Messer an die Kehle und schauteumher, ob man ihn tödten oder begnadigen lassen wolle; wernun verlangte, der Ueberwundene solle leben bleiben, der hob dieHände in die Höhe und schloß den Daumen fest in die Faust,das war das Zeichen der Gnade; die Kaiserin Docka soll gleichnach ihrer Geburt schon die Händchen in dieser Stellung gehabthaben, so daß die Mutter ausrief:Ach mein liebes Kind,

du bist ein Gnadenkind!" Docka aber hielt bei jederGelegenheit, wo cs Hilfe und Rettung galt, von frühesterJugend auf ihre Händchen immer in dieser Gnadenstellung, sodaß ihre Daumen sich ganz darnach bildeten, und man dieselbenGnadcndaumen, Dockadaumen nannte, und von ihr ist dieseHandbildung auf alle Gräfinnen von Hennegau, mit der großenNeigung zu begnadigen und zu vergeben, vererbt. Sieh,