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Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
Seite
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Viele Mühe kostete es, den Bauern auszureden, daßdie Griechen doch „blitzdumm" gewesen seien. Er erzählteihnen von dem frommen und weisen Sokrates und seinemMartertode.

„Dem ist's ja grad gangen wie unserm Heiland,"sagte Kilian von der Froschgasse.

„Allerdings," erwiederte der Lehrer. „Wer eine neue,heilbringende Wahrheit 'gradaus an Mann bringen will,der muß dafür ein Kreuz auf sich nehmen." Der Lehrerseufzte Hiebei, er hatte diese Worte nicht ohne einige Neben-beziehung gesagt, denn er fühlte wohl, wie schwer ihmdie Aufgabe würde, die er sich gestellt.

Als die Männer weggingen, sagte Einer zum Andern:„Das war doch einmal ein schöner Abend, da lernt mandoch was dabei und die Zeit geht 'rum, man weiß nicht wie."

Der Lehrer hatte sich vorgenommen, den Bauern etwasaus der griechischen Göttergeschichte vorzulesen; glücklicher-weise kam ihm aber am folgenden Abend ein ganz anderesBuch, nämlich eine deutsche Sprüchwörtersammlung indie Hand. Als er nun in die Wirthsstube trat, zog erdas Buch aus der Tasche und sagte: „Da will ich eucheinmal 'was vorlesen." Die Leute machten unwillige Ge-sichter, sie hatten einen tiefen Widerwillen gegen Bücher.Der Mathes gewann am ersten das Wort und sagte:

„Erzählet uns lieber, Herr Lehrer."

„Ja, ja, erzählen, nicht lesen," hieß es allgemein.

„Höret nur einmal ein wenig zu," sagte der Lehrer,„wenn's nicht gefällt, könnt ihr ohne Scheu sagen, ichsoll aufhören."

Immer Pausen machend, begann nun der Lehrer dieSprüchwörter zu lesen.

„Ei, das sagt ja der Schmiedjörgli — und das istja des Brunnenbasche'S Red' —> das hat die alt' Mauritaimmer gesagt — und das ist dein Wort, Andres, MichelKaspar," so hieß es von allen Seiten. Die Spieler hattenihre Karten weggelegt und sich den Zuhörern beigesellt,