Druckschrift 
Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
Seite
499
Einzelbild herunterladen
 

der Studentle, „du hast ganz recht, Mathes, die in Stutt-gart verstehen nichts. Narr, ich that an deiner Stelle 'nab-gehen und thät's ihnen sagen, du kriegst gewiß das Präme."

Der Lehrer aber erklärte, daß Merkur der Götterboteund der Gott des Handels im alten Griechenland gewesen sei.

„Ja, wie kommt denn der aber jetzt dazu, schwäbischzu heißen?" fragte Mathes wieder.

„Das hat man eben so gemacht," erwiederte der Lehrer;er hatte selber noch nie sich darüber besonnen.

„Ich muß jetzt auch noch was fragen," begann Hans-jörg. „Haben denn die Griechenländer an mehr als aneinen Gott geglaubt?"

„Freilich," erwiederte der Studentle, „der Ein' hatgemistet und der Ander' gesät, der Ein' hat geregnet undder Ander donnert; für ein' jed' Sach' einen besondernGott oder eine Göttin. Die Griechen haben sogar ihrenGöttern erlaubt, daß sie heirathen."

„Es werden halt Heilige oder Engel gewesen sein,"sagte der Maurer Wendel, „oder so Schutzpatronen; fiemüssen doch einen Oberherrn gehabt haben, sonst wär'sja. eine Gaukelfuhre zum Kranklachen so dumm."

„Du hast den Thurm von Babylon auch nicht mit-gebaut, Maurer," bemerkte der Studentle, „freilich habensie einen Oberherrn gehabt, einen Staatskerl, er hat nurein eifersüchtig Weib gehabt, die hat ihm viel zu schaffengemacht. Jetzt sag' du, Lehrer ^ ob's wahr ist oder nicht,sie glauben mir sonst wieder nichts."

Der Lehrer sah zu seinem großen Leidwesen, daß erdurch das Du seinem Schwager eine Stellung ihm gegen-über eingeräumt hatte, die manches Nachtheilige brachte;er faßte sich indeß schnell wieder und gab den Bauerneine Uebersicht der griechischen Götterlehre. Er erzähltedabei einige Wundergeschichten, die viel Aufmerksamkeiterregten. Es kam ihm selber sonderbar vor, daß er hierin einer von Tabaksrauch erfüllten Schwarzwälder Dorf-schenke die griechische Götterschaar herbeizog. Alles dashatte der Schwäbische Merkur gethan.