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Auerbach's Dorfgeschichten
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Der Schnee wirbelte, Niemand verließ gerne die warmeStube. Da schlich am hellen Tage ein böser Geist aufleisen Sohlen durch das Dorf, es war: die Langeweile.Und wen der Geist ansah, der mußte gähnen oder zankenund Händel suchen. Die Zeit der Ruhe war keine Zeitder Erholung, denn die Leute wußten nicht, wie sie daslästige Ungeheuer, die Zeit, todtschlagen sollten. JungeMänner und ledige Burschen saßen oft ganze Tage imWirthshause und kartelten; man schien aber doch an derüberlangen Zeit noch nicht genug zu haben, denn manharrte bis zur letzten Minute der Polizeistunde aus. Anderegingen frühe zu Bette und verschliefen ihr Leben, wiederAndere wandelten schlechte Wege.

Man sagt: Müßiggang ist aller Laster Ansang, dasErste, was daraus hervorgeht, ist Langeweile, da weiß mannicht wo man sich hinthun soll. Nur arbeitsame Menschensind aus sich heraus fröhlich, friedfertig und gut, Müßig-gänger aber werden zur Trunk- und Spielsucht geneigt,werden ärgerlich, zänkisch, ränkesüchtig und schlecht. Darumallein und nur aus diesem Grunde Hausen in vielen vor-nehmen Ständen Laster aller Art.

Während nun der größte Theil der Leute im Dorfenur ein halbes Leben führte, war dem Lehrer ein doppel-tes Dasein aufgegangen.

Man hat schon oft gesehen, daß ein Mensch aus einemheftigen Fieber auch körperlich um einige Zoll größer auf-stand; so war in unserm Freunde, während er mit flie-genden Pulsen das Leben Hedwig's in sich aufnahm, auchdie Erkenntniß des Volksthums schnell, ja fast wunderbargereift. Wie er einst den „Geistesdust der Schönheitschlürfte," der über die äußere Natur ausgeströmt ist,und die rohe Benützung den Anderen überließ, so erkannteer jetzt in einem Jeden ein höheres Dasein, er war ihmein Vertreter des heiligen und ewigen Volksgeistes. Höherals er sich selbst erschien erschaute er nun jeden Einzelnen,denn er suchte, erkannte und liebte die höhere Kraft und

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