Druckschrift 
Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
Seite
438
Einzelbild herunterladen
 

und Feld, zeichnete oder schrieb in sein Taschenbuch, undwenn es Nacht war, musicirte oder las er.

Da wir die Zeichnungen nicht vorlegen und die Musiknicht wieder aufspielen können, so mögen hier die Taschen-buchbemerkungen eine Stelle finden, unter dem Titel, denihnen der Lehrer selbst gab:

/eldiveisheit

von

Adolph Lederer.

(Im Grase liegend.) Bei allen Wiederbelebungen, inallem neuen Dasein sind Rückständigkeiten mitten daruntergemischt. Wenn man das Wiesengrün des Frühlingsgenau betrachtet, liegt viel verdorrtes übersähriges Graszwischen und unter dem grünenden; es muß verfaulen undzum Dünger für das neue Leben werden. Da schreiendann die Thoren: es ist kein Frühling, es kann auch kei-ner kommen, seht hier die dürren Halme! Ist es nicht auchim ganzen Leben des Geistes so? ... ist der alte Schul-lehrer nicht auch so ein Stück dürres Gras? . . .

Mir ist die ganze Natur ein Sinnbild des Geistes, ichmeine immer, sie sei nur die Larve, hinter der das Gei-stesantlitz steckt. Die armen Bauern! sie leben mitten inder sreiesten Natur wie in einem todten Hause, sie sehenin all den Feldern und Wäldern nur den Ertrag, dieZahl der Garben, die Säcke Kartoffeln, die Klafter Holz;ich aber schlürfe den Geistesduft der Schönheit, der darü-ber schwebt. Ich will hinwegsehen über die Menschen,die da mitten unter diesem glanzvollen Leben lichtlos ein-herwandeln, ich will mich erheben über all das niedereklägliche Treiben, und wie die Biene hier aus der unan-faßbaren Distel Honig saugt, die dem Esel bloß zum der-ben Futter wird, so will ich den Honigseim des Geistes