war es als ob er die eiserne Hand Berlichingens fasse,so hart war sie anzufühlen.
Der jüdische Lehrer stand inVerlegenheit da, seine gefaltetenHände auf einander reibend. Erwußte nicht, sollte er dem Ange-kommenen die Hand reichen odernicht. Er fürchtete zudringlich zuerscheinen, da man ihn nicht auf-gesucht hatte; sodann fühlte ersich auch durch diese Nichtbeachtungbeleidigt, er glaubte sich durch Zu-vorkommenheit etwas zu vergeben.
Die beiden Gefühle — Furchtvor Zudringlichkeit und Mißach-tung auf der einen, und vor zu weit getriebener Em^pstndlichkeit auf der andern Seite — das sind diebeiden Schacher, zwischen denen der Jude im gesellschaft-lichen Leben gekreuzigt ist; sie bleiben es so lange, alsseine Stellung in der menschlichen Gesellschaft keine ge-sicherte und vor Mißdeutungen geschützte ist.
Wie alle gebildeten Juden aus der älteren Generationhatte der jüdische Lehrer die Sätze der Schrift genau inne,er gedachte an die Bibelstelle: „Liebet den Fremden, dennihr wäret selbst Fremde im Lande Aegypten" und „be-trübe den Fremden nicht, denn du weißt wie es ihm zuMuthe ist." Er gedachte der Freude, die ihm vor Jahrenein freundliches Entgegenkommen bereitet hatte. So stander nun da, seine Lippen bewegten sich still, alle seineGesichtsmuskeln zuckten. Er trat endlich auf den Ange-kommenen zu, reichte ihm die Hand und hieß ihn mitbesonderer Herzlichkeit willkommen. Der Fremde sagte:
„Sie können mir gewiß viel Anleitung geben, meineHerren, über mein Verhalten dahier; ich bin hier so ganzfremd."
„Ich kann mir das noch recht gut denken," nahm derjüdische Lehrer das Wort, „ich war auch bloß auf
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