„Eigentlich nicht, ich bin aus dem Taubergrund."
„Nu, wir nehmen das nicht so genau, was halt unterBöblingen ist, heißen wir das Unterland; wie heißt dennder Ort?"
Der Lehrer stockte ein wenig, legte beide Hände auf dieBrust und sagte endlich, sich verbeugend: „Lauterbach."
Der Buchmaier stieß ein schallendes Gelächter aus, derLehrer sah ernst drein; endlich sagte Ersterer:
„Nichts für ungut, Lauterbach weiß ja jed' Kind, dasist ja in dem Lied. Warum habt Ihr denn nicht rechtmit 'raus wollen? Das ist ja kein' Schand. Nu Ihrkönnet mir jetzt g'wiß die Wahrheit sagen, warum ist jetztgrad' Lauterbach in dem Lied?
„Wer kann das wissen? es hat wahrscheinlich garkeinen Grund, solche dumme Lieder werden von einfältigenMenschen gemacht, die diesen und jenen Ort nehmen, weiler ihnen gerade in das Metrum, ich wollte sagen, in dasVersmaß paßt."
„Ei, das Lied ist gar nicht so dumm und es hat ein'recht lustige Weisung, ich hör's rechtschaffen gern singen."
„Sie erlauben, daß ich entgegengesetzter Ansicht bin."
„Was ist da viel zu erlauben? wenn ich's auch nichterlauben thät, wäret Jhr's doch, nur frei heraus und sagetmir einmal: warum?"
„Ich meine: welcher Gedanke, ja nur welcher Sinnliegt in dem Lied:
Zu Lauterbach hab' ich mein' Strumpf verloren,Ohne Strumpf geh' ich nicht heim,
Jetzt geh' ich halt wieder gen Lauterbach,
Kauf mir ein' Strumpf zu mein eim.
„Das ist nichts als barer Unsinn, und das nennen Sielustig? Wie kann ein Lied lustig sein, wenn gar keinGedanke darin ist? Ist die Gedankenlosigkeit Lustigkeit?"
„Ja, es mag jetzt sein, wie es will, lustig ist es doch;es paßt halt so grad, wenn man" —> der Buchmaierkonnte sich hier nicht mehr recht ausdrücken, er schnalzte