Auf offener Straße, vor dem Schlosse, unter einemausgespannten Baldachin wurde die jüdische Trauung voll-zogen. Die Bauern, die sich gern eine müßige Weilegönnten, standen gaffend umher, auch Florian und derSchlunkel waren zu sehen. Der Letzte zupfte seinen ehe-maligen Kameraden am Wamms, ihm zuraunend, er habeihm etwas Wichtiges zu sagen; und als die Trauung,vorüber war, schlich er hinter das Schloß in die offene,dunkle Brunnenstube. Nach einer Weile folgte ihm Flo-rian, er wußte selber nicht warum.
Der Schlunkel eilte auf ihn zu, reichte ihm die Handhin und sagte:
„Schlag ein, heute werden wir reiche Leut." Florianreichte willenlos die Hand und fragte:
„Wie so?"
„Grad so," erwiederte der Schlunkel, einen Hopsmachend. „Heut Morgen ist des Mendle's Meierle vomVaihinger Markt heimkommen, wo er alle seine Gaul'verkauft hat; er muß wenigstens sieben bis achthundertGulden heimbracht haben, ich hab' die Leibgurt gesehen,die war so voll wie eine Leberwurst. Du weißt doch mitWürsten umzugehen? Heut Abend wollen wir die ver-schnabeliren.
Vor acht Tagen ist dem Meierle vom Feuergericht seinBackofen weggesprochen worden , weil er da im Winkelsteht; es hat ihn abreißen und das Loch mit Backsteinenzumauern lassen. Ich hab' selber dabei geholfen und hab'einen Backstein so gelegt, daß man ihn leicht heraus-nehmen kann. Huidä! heut Abend, wenn Alles bei derEhasne ist, schlüpfen wir 'nein und holen uns die Judenwurst."
„Ich nicht," erwiederte Florian.
„Mir auch recht, du kannst dir vom GemeinverathGeld geben lassen, sie haben dir's ja anbieten lassen; dukannst schon sehen, wie weit du mit springst."
„Woher weißt du das?"
„Ich hab' ein Vögele, das erzählt mir Alles; Narr,die Spatzen aus dem Dach schwätzen ja davon."