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Auerbach's Dorfgeschichten
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Bei diesen Wiederholungen hatte indeß Nazi einenschweren Stand, denn sobald er Etwas nicht mehr genauwußte oder anders erzählen wollte, fiel Jvo ein: „ei dasist ja nicht so." Dann hob ihn Nazi auf den Schooß undsagte: „du hast recht, ich kann mich nicht mehr so rechtdarauf besinnen. Narrte, es gehen mir noch viele andereSachen im Kopf herum," und dann erzählte Jvo mitgroßem Eifer den weitern Verlauf, so daß Nazi von derGelehrigkeit seines Zöglings entzückt war.

Ost aber sprachen auch die Beiden über allerlei Lebens-verhältnisse, von denen die Stadtkinder erst spät Einsichtund Kunde erhalten: von Reichthum und Armuth, Treueund Falschheit, Handel u. dgl.; denn das Leben im Dorfeist stets ein offenkundiges, das Innere des Hauses istAllen bekannt, Groß und Klein.

Einst ging Jvo mit seinem Vater vom Zimmerplatzenach Hause.

„Vater," sagte er, „warum hat denn unser Heilanddie Bäum' nicht viereckig gemacht, da bräucht man's jaauch nicht zu behaucn?"

„Warum? dummer Jung', da bräucht' man ja auchkeine Zimmerleut' und hätt' auch keine Spän'."

Jvo war still und der Vater dachte darüber »ach,Laß der Bub doch eigentlich gar „gut geköpft" sei, unddaß es unrecht sei, ihn so barsch anzufahren; er sagtedaher nach einer Weile:

„Jvo, so Sachen fragt man in der Schul' den Lehreroder den Herrn Pfarrer. Merk' dir das."

Das war brav von Valentin. Nur wenige Elternsind so gewissenhaft und so klug, diesen allein richtigenAusweg aus ihrer etwaigen Unwissenheit zu ergreifen.

Jvo fragte aber nicht den Schullehrer und nicht denPfarrer, er ging zu Nazi und sagte: „Weißt du auchschon, warum unser Heiland die Bäum' nicht viereckig,gerade recht zum Bauholz gemacht hat?"

„Weil man die Bäum' zu noch viel mehr Sachen alszum Bauen braucht."