tauschen, ich hab' kein Futter und keinen Platz, und wennich den Gaul für eine Karolin' weggeben muß, fort mußer! " Oder er machte es noch gescheiter: er stellte für einPaar Kreuzer ein dummes BLuerchen hin, gab ihm denGaul, ließ sich ihn vorreiten und sagte: „wenn ein rechterBauer das Thier hätt', da könnt' man einen schönen Gaulhinfüttern; das Gestell ist überaus, die Knochen sind eng-lisch, dem fehlt nichts als Fleisch und da ist er seinezwanzig Karolin werth." Dann brachte er einen Käufer,bedingte sich noch ein Unterhändlergeld und erhielt beimVerkaufe seines eigenen Pferdes noch einen Nebenprofit.Am meisten war der Michel den gerichtlichen Urkundenfeind, in denen man gegen die Hauptfehler garantirenmußte; er ließ, wenn es drauf und dran kam, lieber nochein Paar Gulden nach, ehe er solche Verbindlichkeiteneinging. Dabei hatte er aber doch manchen Prozeß, derden Gaul sammt dem Profit auffraß; aber es liegt indieser Art von Leben, von freiem, arbeitslosem Herum-streifen etwas so Verführerisches, und der Michel rechneteimmer auch wieder Eins in's Andere, daß er vom Pferde-handel nicht lassen konnte. Sein Grundsatz war: „ich gehnicht vom Markt, gepatscht muß sein." Damit meinte er,ein Handel muß abgeschlossen sein, wobei man die Händeschallend zusammenschlägt. Die Handelsjuden auf denMärkten waren ihm auch vielfach behülflich, und er spieltewieder mit ihnen unter der Decke.
Wenn der Michel so zu Markte ritt, oder vom Markteheimfuhr und der Koanradle an der Straße Stein schlug,da sah er seinen Bruder halb mitleidig, halb höhnisch an,denn er dachte: „O du armer Schelm, schlägst Stein vonMorgens bis Abends um fünfzehn Kreuzer, und ich ver-diene, wenn's nur ein Bisle gut geht, fünfzehn Gulden." —>
Der Koanradle, der das mit seinen blöden Augen dochbemerkte, schlug dann auf die Steine, daß die Splitterweit umherspritzten.
Wir wollen aber sehen, wer es weiter bringt, derMichel oder das Koanradle.