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Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
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Endlich kam die Kiste an die Reihe. Der Michelräucherte sich laut und betrachtete mit einem herausfordern-den Blicke seinen Bruder; er setzte sogleich eine namhafteSumme darauf. Der Kvanradle bot schnell einen Guldenmehr, ohne dabei aufzuschauen, und er zählte die Knöpfean seinem Wamms. Der Michel aber bot, sich keck um-schauend, höher; kein Fremder steigte mit, und von denBrüvern wollte zum Höhne keiner dem andern die Streit-sache lassen. Ein jeder dachte auch bei sich: du brauchstja nur die Hälfte zu bezahlen, und so gingen sie immerhöher und höher, und endlich wurde die Kiste für mehrals das Fünffache ihres Werthes, für acht und zwanzigGulden, dem Kvanradle zugeschlagen.

Jetzt erst schaute er auf und sein Gesicht war ganzverändert; Hohn und Spott sprachen aus den aufgerissenenAugen, dem offenen Munde und dem ganzen vorgebeug-ten Antlitze.Wenn Du stirbst, so schenk ich Dir dieKist', daß man Dich drein 'neinlegt," sagte er zitterndvor Wuth zum Michel, und das waren die letzten Worte,die er seit vierzehn Jahren zu ihm gesprochen hat.

Im ganzen Dorfe wurde die Kistengeschichte zu allerleiSpaß und Lustbarkeit benutzt, und wo einer den Kvanradlesah, bemerkte er, wie schändlich der Michel gehandelt habe,und der Kvanradle redete sich immer mehr in Wuthgegen seinen Bruder hinein.

Auch sonst waren die beiden Brüder ganz verschiedenerSinnesart und gingen auch ihre verschiedenen Wege.

Der Kvanradle hielt sich eine Kuh, die er mit derKuh seines Nachbarn Christian zur Feldarbeit zusammen-spannte. In der übrigen Zeit schlug er für fünfzehn Kreu-zer des Tages Steine aus der Straße. Auch war der Koan-radle sehr beistchtig; er trat unsicher auf, und wenn ersich Feuer schlug, brachte er den Zunder immer nahe zurNase, um dadurch gewiß zu sein, daß er brenne. Er hießim ganzen Dorfe derblind' Kvanradle;" das le wurdeihm gegeben, weil er eine kurze, untersetzte Gestalt hatte.

Der Michel hingegen war gerade das Gegenspiel. Er