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Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
Seite
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Der Wind jagte den Regen, der Boden war so schlüpf-rig, daß man bei jedem Schritte ausglitt, als Vefele denWeg nach Rottenburg einschlug. Es war städtisch geklei-det, und hatte ein hellrothes Halstuch um, unter demArme trug es ein kleines Bündel. Ein altes Lied, dases säst ganz vergessen hatte, tauchte plötzlich in seiner Er-innerung auf; es war das Lied von der betrogenen Gra-fentochter. Ohne den Mund zu öffnen, wiederholte es oftinnerlich den Vers:

Weinst du um dein Vatergut,

Oder weinst du um dein' stolzen Muth?

Oder weinst du um dein junges Blut?

Oder weinst um deine Ehr'?

Ja Ehr'?

Die find'st du nimmermehr.

Kaum einige hundert Schritte war Vefele von Scedorfentfernt, als plötzlich etwas an ihm heraufsprang. Esfuhr erschreckt zusammen, aber sein Antlitz war schnellwieder freundlich, es war Mohrle; der Hund trug einenSeilstumps, den er abgebissen hatte, am Halse, er geberdetesich ganz wie selig und wollte sich gar nicht beruhigen lassen.

Der Sturm war so heftig, daß es war, wie wenn

man ganz hart an dem Ohre zwei Steine auf einander

schlüge, und als ob um und um unfaßbare rauschendeGewänder Einen umstrickten und zu ersticken trachteten.Vefele ging mühsam weiter und Plötzlich ohne daß eswußte warum oder wie kam ihm der Gedanke, daßBrönner jetzt auf dem Meere sei. Es hatte in seinemLeben nur einmal eine bildliche Darstellung des Sturmesim Evangelium gesehen, aber jetzt sah es ihn leibhaftigvor sich, es selbst war mitten drin; es sah die häuserhohendunkeln Wellen, sah das Schiff, wie es auf und nieder

geschnellt wurde, und oben stand der Brönner und streckte

jammernd die Arme empor. Da! wehe! Vefele streckteebenfalls die Arme empor, sein Mund öffnete sich, aberder Schrei erstarb ihm auf der Zunge, es sah den Brönnerhinabstürzen in das Meer und eine Welle begrub ihn.