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Auerbach's Dorfgeschichten
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sein! Alles ertrug sie leicht, nur das / daß sie die Schuldan dem Unglück und der Schande ihres Bruders sein solle,das war zu viel!

Es ist jammervoll, daß fast lauter böse, in die Trachtschwarzer Leidenschaften gehüllte Menschen am LebenswegeVefele's sich wie eine festgeschlossene Reihe aufgestellt hatten.Das verhinderte es auch, die guten in den Lichtglanz desEdelsinns gehüllten Menschen zu erkennen, die sich nichtso leicht hindurchdrängen, weil es ihre stille Tugend somit sich bringt, und weil sie auch erwarten dürfen, daßman sie doch herausfinde.

Vefele saß eines Tages weinend in der Küche auf demHerde, da trat der Wendel ein, er sagte:

Müsset nicht greinen, ich hab's Euch ja damals ge-sagt, es gibt noch rechtschaffene Bauersleut' genug, wennsie auch keinen Katzenbuckel machen können."

Vefele sah mit thränenden Augen auf, über diese Redebefremdet; es antwortete aber nichts, und Wendel fuhrnach einer Weile fort:

Ja, gucket mich nur an; was ich sag' ist so wahr,wie wenn's der Pfarrer von der Kanzel sagt." Er nähertesich Vefele und faßte dessen Hand, indem er Weiler sagte:Drum kurz und gut, ich weiß, wie's mit Euch steht,aber Ihr seid doch braver als hundert Andere, und wennIhr Ja saget, ist über vierzehn Tag' unsere Hochzeit undEuer Kind ist mein Kind."

Vefele entzog ihm rasch die'Hand und bedeckte sichdamit die Augen, dann stand es auf und sagte glühendenAntlitzes:Weißt Du denn auch, daß ich bettelarm bin?Gelt das hast Du nicht gewußt?"

Wendel stand eine Weile still, Zorn und Mitleidkämpften in seinem Herzen wie auf seinem Angestchte, erschämte sich für das Vefele und für sich selber über dieseRede; endlich sagte er:Ja, ich weiß Alles; wenn Dunoch reich wärst, hätt' ich mein Lebtag nichts gesagt;meine Mutter hat ein klein's Gütle und ich hab' mirauch ein Geldle gespart, und wir können ja schaffen unduns in Ehren durchbringen."