verzweifeln, daß es zu Hause bleiben und nichts thun solle,als harren und weinen, aber Melchior redete ihm dieMitreise aufs Liebevollste aus.
Tage und Wochen schmerzlichen Hinbrütens vergingen.Wer das Vefele früher gekannt hatte, wäre jetzt furchtbarerschrocken über die Veränderung seines ganzen Wesens.Es ließ sich aber vor Niemanden sehen, es lebte ein Lebenohne Willen, das kein eigentliches Leben war, es aß undtrank, schlief und stand auf, aber es wußte und wolltevon alle dem nichts, es blickte immer drein wie eineWahnsinnige. Auch weinen konnte es nicht mehr. Allsein Denken, seine tiefste Seele war wie scheintodt, wielebendig begraben; es hörte die Welt draußen Handiren,es verstand sie wohl, aber sich selber konnte es nichtverständigen.
Als Melchior zurückkam, ohne eine Spur von Brönnerentdeckt zu haben, hörte Vefele Alles mit einem herzzer-reißenden Stumpfsinn an, es schien auf Alles gefaßt.Still, fast ohne ein Wort zu reden, lebte es dahin. Nurals es vernahm, daß Brönner mit Steckbriefen verfolgtwurde, jammerte es laut auf; es war ihm, als ob Mil-lionen Zungen durch die Welt hin seinen Schmerz undseine Schande verkündeten, und doch — so weit geht dieLiebe — weinte es fast mehr um Brönner, als um sich selber.
Bei alle dem hatte das traurige Schicksal Vefele'snoch nicht seine höchste Hohe erreicht. Als seine Schwä-gerin seinen Stand inne ward^ steigerte sich ihre Harther-zigkeit zum empörendsten Grade, sie verfolgte und mißhan-delte Vefele auf jede Weise. Es aber duldete still, es sahsich auserkoren, das größte Kreuz über sich zu nehmen,und es gehorchte ohne Murren; das Doppelleben in ihmschien es mit einer geistigen und körperlichen Kraft aus-zurüsten, die über jedes Ungemach unversehrt Hinwegschritt.Als aber Vefele hörte, wie die Schwägerin dem MelchiorVorwürfe machte, und wie sie den Tag verwünsche, andem sie in eine Familie eingetreten war, die einen solchenSchandfleck habe, da blutete das Herz der Unglücklichentief. Die Engelsmilde, sie, sollte die Schande ihrer Familie