einmal bis unter die Hausthür begleiten ließ, es glaubte,er schäme sich seiner vor seinem Freunde; es dachte dar-über nach, wie das einst werden solle, und bittere Thränentröpfelten in den Waschzuber. Dennoch ging es hinaufin seine Dachkammer und schaute zum Fenster hinaus,um die Kutsche noch mit den Blicken begleiten zu können.Wie erstaunte es aber, als es sah, daß die Kutsche nichtnach Tübingen, sonder» den Weg nach Herrenberg fuhr.Es hatte schon den Mund geöffnet, es war ihm, alsmüßte oder könnte es ihnen zurufen, sie seien auf falschemWeg; da besann es sich, daß es sich wohl verhört, oderder Brönner sich versprochen haben möge. —
Acht, vierzehn Tage waren vorüber, weder Brönnerselber noch Nachricht von ihm kam. Vefele war oft be-trübt in dem Gedanken, daß es sein ganzes Leben langeinem Manne hingegeben sein solle, der keinen rechtenRespekt vor ihm hatte; es war nicht stolz, aber es dachtedoch daran, wie Jeder, und sogar der Schultheiß im Orte,sich hochgeehrt gefühlt hätte durch seine Hand. Oft aberdachte es wieder mit dem innigsten Entzücken an Brönner,und es bat ihn in Gedanken um Verzeihung für alle dieherben Vorwürfe, die es ihm in seiner Seele gemachthatte. Es stellte sich ihn ganz vor, wie er war, und daerschien er so herrlich und lieb, es sah gar keinen Fehlermehr an ihm; denn so ist es immer: wenn wir vonMenschen entfernt sind, die wir gern haben, sehen wirgar keinen Fehler und nur Tugenden an ihnen. — Hätteder Brönner nur Eine Tugend gehabt!
Melchior fragte Vefele über das lange AusbleibenBrönner's, und es that, als wüßte es den Grund undwäre es darüber beruhigt.
Eines Tages saß Vefele in trüben Gedanken in seinerKammer; es hatte lange zum Dachfenster hinausgeschaut,ob Brönner nicht komme, aber es sah nichts. Es wolltesich eine Freude machen und öffnete den Schrank, um dieschöne Aussteuer zu betrachten, aber, o Himmel f da warAlles so zerzaust, als ob Heren darüber gewesen wären;es griff unwillkürlich nach dem Gelde, aber — das war