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Mohrle. Die Schwester Agathle starb bald nach demTode des Vaters, und die Leute munkelten, Vefele werdenun ihren Schwager heirathen; das konnte aber nie undnimmer geschehen. Brönner kam jede Woche mehrmalsnach Ergenzingen; er mußte irgendwo Geld aüfgetriebenhaben, denn er war überaus prächtig gekleidet, auch be-nahm er sich gegen Vefele und die Andern ganz sicher,ja fast vornehm. Er gab zu verstehen, daß man ihnkünftighin „Herr Doctor" heißen solle. Vefele wußte nichtrecht, was das sein sollte, es ließ sich aber Alles gefallen,denn es hatte ihm seinen Stand eröffnet. —
Im Hause Melchior's war ein Knecht, Wendel mitNamen, ein baumstarker und arbeitsamer Bursch, der theiltegleiche Freundschaft und Feindschaft mit dem Mohrle; erliebte den Hund, weil er wie er den Brönner haßte, under liebte ihn doppelt, weil er ebenfalls dem Vefele sogut war. Brönner hatte einmal per „Er" mit dem Wen-del gesprochen, und dieser, der schon lang gern einenGrund gehabt hätte, um Brönner zu hassen, faßte vondem an eine Todfeindschaft auf den „Bartkratzer." Dennochaber ließ er sich mehr als zwanzigmal und oft spät inder Nacht zu ihm nach der Stadt schicken, wenn Vefelesagte: „Wendel, willst Du nicht so gut sein." Da wan-derte er dann hin und das Mohrle sprang mit, und siebrachten einen Brief von Vefele an den „Doctor." Oftauch wenn der Wendel den ganzen Tag geackert hatte undmüder war als seine Gäule, brauchte das Vefele nur eingut Wort zu sagen, und er spannte nochmals ein undführte den Brönner durch Nacht und Wetter heim.
Eines Samstags Abends sagte Vefele im Hofe zumWendel: „Morgen früh mußt Du so gut sein und ganzfrüh nach Horb fahren und den Brönner holen."
„Jffs denn wahr?" fragte Wendel, „daß Ihr Euchmit einander versprechen wollt?
„Ja."
„Wenn ich Euch rathen soll, so thut's nicht, es gibtnoch rechtschaffene Bauersleut' genug."