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Auerbach's Dorfgeschichten
Entstehung
Seite
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leben. Das kann man nur in einer großen Stadt, wodie Menschen sich nicht um einander bekümmern, wo Eineran dem Andern täglich vorübergeht, ohne zu wissen, werer ist, was er thut und treibt, wo man ohne Gruß, jafast ohne Blick vor einem Menschen vorbeirennt, als ober ein Stein und nicht als ob er ein Mensch wäre; aufdem Lande, in einem Dorfe aber, wo die kleine Anzahlder Einwohner sich kennt, muß man gewissermaßen vonseinem Thun und Treiben einem Jeden Rechenschaft geben,man kann sich nicht selbstgenügsam abschließen. > ImSchwarzwalde ändert sich der Gruß je nach dem öffent-lichen Thun: gehst Du den Berg hinab, so sagt Dir derBegegnende:Weant (wollt) Ihr au do 'na?" DenBerg hinauf:Weant Ihr au do 'nuf?" Ladest Duetwas aus den Wagen, so heißt es:Ueberladet et;" oder:Ueberschaffet Eu et." Sitzest Du ausruhend vor DeinemHause oder auf einem Feldraine:Weant Ihr au g'ruawe(ruhen)?" oder:Hent (habt) Ihr Feierobed?" Plau-derst Du mit Anderen, so sagt der Vorübergehende:HentIhr gute Roth?" u. s. w.

In dieser ausgesprochenen Theilnahme an dem Thunund Lassen des Andern liegt eine gewisse sinnige Gemein-schaft des Lebens, die sich über Alles ausbreitet; aber auchhier fehlen die Schattenseiten nicht. Will Einer aus be-sonderen Gründen sein Leben so einrichten, daß es gegendie allgemeinen Sitten und Gewohnheiten verstößt, so ister dem Widerstreben und dem Spotte Aller ausgesetzt;namentlich ist ein alter Junggeselle oder eine alte Jungferdie Zielscheibe des Straßenwitzes, gleichviel, ob sie ausArmuth oder aus irgend einem andern Grunde im ledigenStande verharren.

Je mehr sich nun Vefele der trübseligen Altjungferzeitnäherte, um so mehr erlaubte man sich, dasSchloß-fräle" zu necken und zu verhöhnen. Einmal, an einemSonntage, ging Vefele durch das Dorf. Vor dem Rath-hause stand einRädchen junger Bursche, der Tratte, einhalbstummer Dorftölpel, stand nicht weit davon. Als sie