und »och konnten sie sich nicht in einander finden; ja, jeälter sie wurden, um so mehr schien sich eine Uebelneh-merei, eine heftige Bitterkeit zwischen ihnen kund zu geben.Das Vefele wußte zwar immer wieder den Frieden herzu-stellen; es war dann vergnügt und munter, aber imStillen weinte es oft bitterlich über das traurige Schicksalseiner Eltern und über sein eigenes, und dann gelobte essich heilig, nie zu heirathen. Es kannte ja ohnedieß Nie-manden , dem es sein Leben hätte widmen mögen, unddann sah es wohl ein, wie nöthig es im elterlichen Hausesei, wenn nicht das Feuer zum Dache herausschlagen solle.Geschrieben steht: Gott ahndet die Sünde der Vater anden Kindern; das gilt am meisten von einer bösen Ehe.In dem Herzen ohne Kindesliebe nimmt gar leicht Trüb-seligkeit oder Verirrung anderer Art Platz.
Der Tod brachte die Mutter Vefele's bald zu ihremVater, und jetzt, nachdem seine Frau todt war, fühlte derSchloßbauer erst, wie viel ihm fehlte, wie lieb er doch imGrunde seines Herzens seine Frau gehabt hatte. Er grämtesich, daß er sie nicht nachgiebiger behandelt, und daß erihre Kränklichkeit so oft für Verstellung angesehen hatte;jedes harte Wort, das er ihr gegeben, schnitt ihm tiefdurch die Seele; er hätte gern sein Leben drum gegeben,wenn er es wieder hätte zurückrufen können. So geht's.Statt im Leben freundlich und friedfertig einander zutragen und zu erfreuen, grämen sich die meisten Menschen,wenn es zu spät ist, wenn der Tod die traulichen Lebens-gefährten von unserer Seite gerissen hat; darum soll mansich lieben, so lauge man noch lebt, denn jede Stunde,die man in Unliebe verbringt, hat man sich und demAndern unwiederbringlich vom Leben geraubt.
Der Schloßbauer ging des Sonntags nicht mehr nachder Stadt, sondern in die Kirche des Dorfes, denn nebender Kirche lag ja seine Frau begraben; er machte jedesmalden Umweg und ging über den Gottesacker. Es war,als ob er das Grab seiner Frau durch diesen sonntäg-lichen Besuch versöhnen wollte.^