51
Präsident Gelegenheit, Abbildungen von chirurgischen Instrumenten zu sehen, de-ren einige selbst zur Operation des Staars bestimmt zu sein schienen. Nach seinenErfahrungen haben sie auch wenig Widerwillen gegen die Brenncylinder, und be-dienen sich ihrer wohl eben so leicht, als wir uns der Yesicatorien. Der HerrStaatsrath bemerkte an dem Körper eines Mongolen wohl 20 Brandnarben, und ver-nahm von ihm, dafs er leicht Rheumatismen bekomme, und den Schmerz immerschnell durch Anwendung einer Moxa fortschaffe. In Hinsicht des I’ulsfühlens, sofassen die chinesischen Ärzte den Puls mit den 3 milllern Fingern der Hand, abersie fühlen ihn an beiden Armen zugleich. Durch den Puls wollen sie selbst dieKrankheiten des einzelnen leidenden Organs erkennen, ja selbst sogar der entfern-tem, z. B. der Leber, Milz u. s. w. — Auch der Galvanismus scheint den Chinesennach einer gemachten Erfahrung des Herrn Staatsraths, nicht ganz unbekannt zusein, indem er zu einem in der Nähe von Kiachla wohnhaften, an Rheumatismusder Arme leidenden Kaufmann gerufen, in seinen Händen zwei Kugeln bemerkte,davon die eine aus der chinesischen Composition Pat-fong zu bestehen schien.Der Mann bewegte stets diese Kugeln in den Händen, und äufserle, dafs deren Ge-brauch ihm sein chinesischer Arzt angerathen habe, und sie auch wirklicli günsti-gen Einflufs auf sein Übel zu haben schienen. — Nachdem der Hr. Präsident allediese schätzbaren Bemerkungen über den Stand der chinesischen Heilkunde mitge-theilt, las er Mehreres aus einem mit wahrhaft philosophischem Geiste geschriebe-nen, schon etwa 150 Jahr alten chinesischen Buche, über Medicin, betitelt Bidu,vor, das unter Anderem auch über die Pflichten des Arztes, über seine nothwen-dige Politik, sein Benehmen u. s. w. handelt, und aus welchem Werke hervorgeht,dafs sich Kenntnisse kritischer Tage, Ideen von Brownianismus und Naturphilosophieauch bei den Chinesen finden. — Zuletzt bemerkt der Herr Präsident noch, wiewünschenswerth es sei, dafs Ärzte sich mit dem Studium der chinesischen Sprachebeschäftigen, um noch so manche verborgene Schätze jenes fernen Landes für dieArzneiwissenschaft zu Tage zu fördern. Es sei nicht nöthig, die 80000 Begriffs-zeichen der chinesischen Sprache zu erlernen, man würde schon mit 8 bis 10000ausreichen. Die beste Gelegenheit zur Erlernung der Sprache finde sich wohl inParis bei Herrn Abel Remusat, der schon so tief in ihre Kenntnifs eingedrun-gen sei, dafs er selbst chinesische Romane übersetze.
Herr Professor Dr. Strempel aus Rostock spricht über den grofsen Nutzender antiphlogistischen Methode bei Amaurosen und einigen andern Augen-übeln. Er llieilt einen Fall mit von einem schon 18 Jahre an Amaurose leidenden30jährigen Mädchen, wo sich zugleich ein Prolapsus iridis und Blepharophthalmievorfand. Nachdem mehrere Mittel vergeblich gebraucht waren, wendete er eineVenesecliön und alle 2 bis 3 Stunden viele Blutigel an. Nach 8 Tagen bemerkte
7 *