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Hierauf wurden folgende Vorträge gehalten:
Der Herr Präsident machte höchst interressante Miltheilungen überden Standder Heilkunde hei den Chinesen, worüber er bei seinem Aufenthalt in derchinesischen Mongolei Gelegenheit hatte, selbst Erfahrungen zu sammeln und sichauch mehrere chinesische Originalwerke zu verschaffen, wovon er Mehreres ins Rus-sische übersetzen liefs. Schon vor 20 Jahren hat er ein solches chinesisches Werküber Geburtshülfe und ein tibetanisches Arzneibuch bekannt gemacht. Der Hr.Präsident erzählt, dafs, nach Aussage der Chinesen, die Arzneikunst vom KaiserHuanli, der etwa vor 4300 Jahren lebte, ihre Entstehung nimmt, und dieBücher Noitzin und Suang sollen sein Product sein. Die Entstehung der Phy-sik schreiben sie dem noch früher lebenden Kaiser Funsi zu, und die erste Kennt-nifs der Botanik dem Kaiser Jantzi. Doch ist bei dieser Angabe nach des HerrnPräsidenten Bemerkung immer nur die Regierung des Kaisers zu verstehen, unterwelcher der Entdecker einer Wissenschaft lebte, und die nachher zur Verherr-lichung der Regierung dem Kaiser selbst zugeschrieben wird. — Dafs die Chi-nesen Kennlnifs der Anatomie besitzen, zeigte uns der Herr Präsident durch dasVorlegen von chinesischen Original-Kupfertafeln über Anatomie, nebst chinesischer,zum Theil übersetzter Beschreibung. Diese Tafeln mufs jeder Arzt besitzen. Esscheint demnach, dafs, obgleich öffentlich keine Sectionen an Menschen geschehndürfen, die Arzneikunde-Studirenden dieses heimlich thun, wozu die zahlreich indie Flüsse geworfenen Todten leicht Gelegenheit verschaffen. — Die Chinesen habenauch Kennlnifs der gerichtlichen Arzneikunde, die doch auch anatomische Kennt-nisse voraussetzt, und der Herr Slaatsrath selbst besitzt ein chinesisches Werkchendarüber. Sie sollen eine besondere Methode haben, durch gewisse Räucherungendie Wunden an schon einige Zeit Verstorbenen wieder ganz sichtbar zu machen. DieMatena niedica bei den Chinesen ist sehr reich, aber auch mit sehr überflüssigenDingen angefüllt. — Es giebt bei ihnen auch Apotheken. Decocte und Infusionenwerden im Hause des Kranken bereitet, und nur die Species dazu beim Apothekergeholt, welcher die Bereitungsart und Zeit des Einnehmens vorschreibt. Hin-gegen sind Pillen, Pulver, gestrichene Pflaster u. s. w. aufs manniehfaltigste stetsin den Officinen vorräthig. Der Herr Präsident besitzt Proben davou. Auchist in den chinesischen Apotheken kein Mangel an Panaceen, Universalmittelnu. s. w., die mit gröfster Charlatanerie angepriesen werden. Der Herr Präsidentliest eine solche Anpreisung einer Panacee vor. Eine eigenthümliche Cur-Methodebei langwierigen Krankheiten der Brust und des Unterleibes ist das mit kurzenUnterbrechungen Monate-, ja Jahrelang fortgesetzte Verharren in einer bestimmtenStellung oder Lage des Körpers. — In der Chirurgie scheinen sie, selbst in Betreffder hohem Theile dieser Kunst, nicht unerfahren zu sein, und hatte der Herr