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10 (1830) Schw bis Sz
Entstehung
Seite
915
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Sl5

Synthesis

gehen die Begriffe in derselben Weise, wie sic innen sich erzeugten und aneinander-rcihctcn, in die Seele des Empfangenden über, und nur so wird der Zweck sprach-licher Mitteilung vollkommen erreicht. Zu dem Ende ist cs nothwendig, die mög-lichen Arten einfacher und zusammengesetzter Satze und die Regeln kennen zu ler-nen, nach welchen dieselben zu Perioden verbunden werden. Dies der Haupt-inhalt der allgemeinen oder hoher» Syntax. Die verschiedene Vorstellungöweiseder Völker und der abweichende Bau der einzelnen vorhandenen Sprachen oegrün-den die Notwendigkeit vorhandener Regeln für eine jede derselbe». Die besondere(niedere) Syntax oder der Inbegriff der Regeln für die Wortfügung einer einzelnenSprache handelt zuvörderst von der Verbindung einzelner Redeteile nach ihremgegenseitigen Verhältnisse und nach ihrer in dem Sprachgebrauchs gegründetenUmendbarkeit. Die innere Abhängigkeit der Begriffe von einander hat eine gleicheAbhängigkeit der verschiedenen Thcile der Rede zur Folge, wodurch dieselben erstzu einem in sich zusammenhängenden Ganzen verknüpft werden. Kinder und roheVölker, welche die Worte ohne Zeichen der Abhängigkeit bloß ncbcncinanderstcllen,ermangeln der eigentlichen Rede. In allen Sprachen haben sich mehr oder weni-ger Spuren dieser kindischen Weise erhalten. Je fähiger eine Sprache ist, diegrößtmögliche Anzahl von Verhältnissen durch Umcndung und Umwandlung ihrerWörter zu bezeichnen, um so brauchbarer ist sic für die Rede. Ein Wort, welchesals Ursache der Veränderungen, die ein andres erleidet, gedacht wird, heißt daSregierende; dasjenige aber, welches zur Bezeichnung seiner Abhängigkeit von einemandern verändert wird, das regierte. Daher führt dieser Theil der besonder» Syn-tax auch den Namen der Rectionslchrc. Ein zweiter Haupttheil derselben bestimmtdie Aufeinanderfolge der Redctheile nach den Gesetzen, die der Sprachgebrauchhierüber vorschreibt. Die der höhern Syntax angchörigcn, aus der Logik entlehn-ten und für alle Sprachen gültigen allgemeinen Regeln über die Bildung einzelnerSätze dienen diesem Thcile zur Begründung und können nur, insofern sie diesesleisten, in einer besondcrn Sprachlehre einen Platz finden. Es bedarf einer bloßoberflächlichen Vergleichung, um zu erkennen, daß auch die Wortfolge, abhängigvon der Vorstellungsweifc einzelner Völker, sich in den verschiedenen Sprachenverschieden gestalte. Wie ganz anders erscheint die Wortstellung in dem altrönü-schen, wie anders in einem deutschen Satze? Dort bis zum Scheine regelloserWillkür freie Stellung der Redctheile bald nach Maßgabe des Wohlklangs, baldmit Rücksicht auf die Wichtigkeit und Nachdrucksfülle des einen oder des andernWorts; hier, mit wenigen Ausnahmen, die bleibende Regel, von dem Unbe-stimmtem zu dem Bestimmtem fortzuschrciten. Daß sich eben daraus ganz ver-schiedene Grundsätze für die Wortfolge ergeben müssen, liegt am Tage; daherauch dieser Theil der Syntax in jeder besondem Sprachlehre einen der wichtig-sten und wesentlichsten Abschnitte ausmacht. Auf die genannten 2 Hauptthcile(Rectionslehre und Topik, oder Lehre von der Wortfolge, auch Cvnflructionslehregenannt) beschränken wir den Inhalt der besondcrn Syntax. Die Lehre vom Satzeund von den Perioden gehört, ihren allgemeinen Grundsätzen nach, in die höhereSyntax; die besondem Regeln aber fallen mit denen der Wortstellung zusam-men- X. I'.

Synthesis oder Synthese, wörtlich: Zusammenhang, Verbindung,ist ein Ausdruck, der besonders in dem Gebiete der Philosophie auf mannigfaltigeWeise gebraucht und fast immer der Analysis, Analyse, denen aber auch die Theseund Antithese, entgegengesetzt wird. Verbinden und Trennen sind die Haupt-operationcn unserer Erkenntnißthätigkcit; jene aber ist die erstere, denn wir sind unsfrüher des Zusammengesetztem bewußt; darum redet man auch von einer unmittel-baren oder ursprünglichen Synthesis. Letztere tritt schon ein bei der sinnlichen An-schauung, in welcher man das Mannigfaltige an einem Gegenstände (Thcile eines