^ Synodalwesen 90A
speeimon"). Daber wurden die kirchlichen Parteien, besonders die Evangelsichen,aufgcfodert, allen Zwiespalt zu vergessen und, wie die Kretenser. vereint gegen dengemeinsamen Feind, den römischen Stuhl, zu kämpfen. So ermahnte Dav.Pareus, reformirler Prof, der Theologie zu Heidelberg, zu Ende des 16. und An-fänge des 17. Jahrh. in einem frommen Synkretismus der Lutherischen und Re-formirten, fick dem römischen Antichrist zu widersetzcn. Nachmals aber hat dasWort eine andre Bedeutung gewonnen und ist wol richtiger aus dem Griech. (von. vermischen) abgeleitet worden. Als im 16 Jahrh. in
Italien die alte Literatur wieder aufleble und die griech. Elassiker mit neuer Liebegelesen wurden, besonder« auch Plaion's Philosophie eine Vorliebe fand, welchedem herrschenden Aristotelismus kräftig entgegentrat, waren einige Gelehrte, wieJoh. Franz Picus, Bessarion u. A. geneigt, obwol sie Platon vorzüglich ehrten,doch den Aristoteles nicht ganz sinken zu lassen, und wurden dann, well sie zwischenPlatonikern und Aristotelikern vermitteln wollten, auch wol Synkretisten ge-nannt. Ebenso sprach man von einem Synkretism bei den Akademikern und Peri-patetikern, besonders aber von dem Synkretismus der alexandrinischen Philosophen.Doch ist das Wort erst in der evangel. Kirche mehr in Gebrauch gekommen. undSynkretist ein Schmähwort geworden, das man auf die feindseligste und gehässigsteWeise anwendcte. Denn Synkretisten, d.i. Vermischet u. Verfälscher, nannteman seit dem Anfänge des 17. Jahrh. besonders die Schüler und Anhänger desGeorg Ealixtus (s. d.), Prof, der Theologie zu Helmstädt, und die lielmstädter^ Theologen überhaupt. Ealixtus nämlich kam in seinen Forschungen auf freiereMeinungen, als man damals ertragen mochte; manche Unterscheidongslehren,welche bis dahin Zwietracht unter den Kirchenparteien erregt hatten, hielt er fürminder wichtig, eine friedliche Vereinigung der Parteien darum für möglich, ohneeine unbedingte Unterwerfung der evangelischen unter die römische Kirche zu beab-sichtigen. Dieser näherte er sich zwar in der Überzeugung, daß nebui der heil.Schrift, und selbst zum richtigen Versiandniß derselben, die mündliche Überliefe-rung (Tradition) aus den ersten christl. Jahrhunderten als ein (doch nucuntergeord-ueter) Erkenntnißgrund der Lehre Jesu dienen könne, hielt aber im Übrigen strengauf evangelische Glaubensfreiheit. Das sogen, apostolische Symboluri, welchesallen christl. Hauptparteien gemeinsam ist, dachte er als zureichend zur Bestimmungder Grundlchren der christl. Kirche und deßhalb auch zur Herstellung ins Friedens< unter allen Parteien. Solche Meinungen reizten in einer ohnehin streitlustigen Zeiteinen großen Theil der lutherischen Theologen zu heftigem Eifer gegen ihn auf, undda s. Schüler zum Theil s. Ansichten noch weiter trieben, einige von ihnen auch wirk-lich zur römischen Kirche übertratcn, ward er bald des Kryptopapismus, bald desKryptocalvinismus, immer aber des Synkretismus, der Religionsnengerei, be-schuldigt; besonders seit dem Religionsgesprach zu Thorn im I. 164ö, wo Ealixtzugegen, ward der Name Synkretist allgemeiner gebraucht. Nach s. Lode setzten s.Schüler und s. Sohn, Friede. Ulrich Ealixtus, den Streit fort. LangeZeit erschüt-terte derselbe die cvanq. Kirche, und nie kam eine wahre A ussöhnung derSlreilendenzu Stande. Größere Freiheit in theolog. Forschungen ward durch diesenStrcil aller-dings befördert; aber zugleich erhob sich größere Willkür der Meinungen und Gc-^ ringachlung der eigentlichen Kirchenlchren bei Vielen. In neuern Zenen hat manauch die sogen, freiem Theologen, welche kühn oder keck über die Kircherlehre sich er-hoben und ihrer eignen Wissenschaft ein höheres Ansehen beilegten, Sytkretisten ge-nannt. Besser daß ein so gehässiges Wort, welches an höchst unwürdigeErscheinun-gen in der Kirche erinnert, gänzlich verschwinde! (Vgl. Walch's „Ei'nlät. in die Re-ligionsstreirigk. in der evang. - luther. Kirche", Thl. 1, 4, 5.) K. e.
Sy nodal wesen (vgl. Synoden) ist die Negierungsforn der resor-mirten Kirche, da wo sie nach Ealviu's Presbylerialversassung beste«. In der