^ Symphonie 905
! hat zu der leichtern Form der weniger ausgcführtcn Ouvertüre, die nur eines Sa-l tzes bedarf, Gelegenheit gegeben, einer Einleitungsmusik, die in den meisten Fal-len keine ist, nämlich dann, wenn Nichts eingeleitet wird, oder die Ouvertüre sichauf das Folgende gar nicht bezieht. Sie kommt jetzt nur noch im Concert und inder Oper vor, und cs ist ein Wunder, wenn der Tonsetzer irgend ein im Orchesterspielbares Instrument hat fehlen lassen; zuweilen wird das musikalische Gehör soangegriffen, daß man für sein Gehör überhaupt zu fürchten hat. Wir nennen nun^ die Symphonie zum Unterschied von der Ouvertüre ein ausgeführtes Jnstrumen-talstück. Denn die Ouvertüre soll, ihrem Wesen nach, abhängig sein von dem ein-geleiteten Ganzen, sie soll die Aufmerksamkeit nicht von demselben ableitcn, son-dern für dasselbe stimmen, und muß daher die Hauptgedanken desselben gleichsamskizzirt enthalten, oder wenigstens die Grundstimmung des Ganzen angeben, weß-halb sie von den meisten Operncomponistcn mit Recht nach Verfertigung der ganzenOpcrnmusik geschrieben wird. Die Symphonie aber ist ein selbständiges Orche-sterstück, welches daher einer weitern Ausführung musikalischer Ideen fähig ist.Indem wir dasselbe aber Orchesterstück nennen, oder ein Stück, welches für dasZusammenwirken des ganzen Orchesters berechnet ist, unterscheiden wir die Sym-phonie von dem Concert, zu welchem allerdings die (mit Recht seltenere) Sympho-nie mit einem oder einigen obligaten Instrumenten (concertirende Symphonie) denÜbergang bilden mag. Das Concert ist bestimmt, den Charakter und das Vermö-gen eines Instruments, gehoben und begleitet von dem übrigen Orchester (doch be-^ darf es nicht nothwcndig aller Orchcstcrinstrumente zur Mitwirkung), auszuspre-chen; dieses Instrument tritt also immer, sei cs durch ausdrucksvollen Vortragoder durch Kunstfertigkeit, hervor, und die Empfindungen und Gedanken, welchedas Concert enthält, sollten durch den Gcundcharakter jenes Instruments bestimmtsein. Die Ouvertüre, welche nach unfern heutigen Begriffen die Jnstrumentalein-leilung eines Theaterstücks ist, kann als solche ebenfalls in einigen Fällen concerti-rend sein, und von dem Charakter eines Instruments beherrscht werden. In derSymphonie aber soll das ganze Orchester oder doch dessen Hauptinstrumcnte einmusikalisches Ganzes bilden, sic soll zeigen, was die Instrumentalmusik selbständigund zugleich in ihrer ganzen Fülle, d. i. in der Verschmelzung aller Hauptinstru-mente, zu leisten vermag, wodurch jedoch einzelne abwechselnd hervorlretendc So-lopartien nicht ausgeschlossen sind. Die letztere und höchste Aufgabe der Jnstru-' mentalmusik konnte erst dann gelöst werden, als die Instrumentalmusik selbst aufihren gegenwärtigen Gipfel gebracht worden war; daher aber auch die berührteAusartung in der starken Instrumentation, aber leider nicht bloß in der Sympho-nie, sondern fast in jedem Orchesterstücke zu erklären ist, weil man sic einmal andie höchsten Reize und an das Zusammengesetzteste gewöhnt hat. Der Sympho-nie ist mit den meisten übrigen, für das Orchester geschriebenen Stücken Das ge-mein, daß die Grundstimmen, welche die Saiteninstrumente führen, mehrfachbesetzt werden, daher auch der Vortrag dieser Stimmen keine willkürlichen Verzie-rungen verträgt, sondern Alles, wie vorgeschrieben, ausgcführt werden muß;auch, die ctwanigen Soli ausgenommen, Alles bestimmt vorgeschrieben, und diePartie selbst in ihren Figuren, sowie in ihrer ganzen Einrichtung, von dem Com-^ ponisten auf mehrfache Besetzung und deren Wirkung berechnet sein soll. DieGrundstimmen dürfen hiernach zwar die Schwierigkeiten einer Concertstimmc nichthaben, aber Jeder, der die größten Symphonien unserer neuen Meister kennt, na-mentlich Beethoven's, der das Orchester wie ein einziges Instrument behandelt,wird einsehen, daß die Vorschrift jenes Wörterbuchs in ihrer Ausdehnung nichtmehr gilt: „Es dürfen auch, weil die Symphonie nicht, wie die Sonate, einÜbungsstück ist, sondern gleich vom Blatt getroffen werden muß, keine Schwierig-keiten darin Vorkommen, die nicht von Vielen gleich getroffen und deutlich vorgc-