Sympathetische Euren Sympathie 80)
solches Ebenmaß verbietet, und deren Darstellung durch Anwendung desselben steif,ängstlich und gezwungen erscheint, wie z. B. die Anordnung organischer und leben-diger Körper: daher sie in der Landschaftmalerei, in der Gartenkunst, in denGruppirungen und Stellungen der Figuren aus Gemälden, wo sie nicht charakteri-stische Darstellung altcrthümlicher Einfalt oder aus dieser unmittelbar hcrvorgegan-gcn, ferner in theatralischen Scenen oft sehr mißfällig ist. Am meisten ist dieseSymmetrie einheimisch und wird gleichsam sichtbar construirt in der Baukunst, dc-^ ren Wesen selbst durch geistreiche und geschmackvolle Anwendung der räumlichenDimensionen und geometrischen Verhältnisse in tobten und festen Massen bedingtist, sodaß der Mangel und die Störung des ebenmäßigen Verhältnisses seiner Tkci-le, als der erste und größte Fehler eines architektonischen Werks, auch dem Laienin der Baukunst auffallen muß, und der Ausdruck Symmetrie oder Ebenmaß selbsterst aus dem Gebiete der meßbaren Architektur auf andre Gegenstände, z. B. aufRhythmus (wo es jedoch zweckmäßiger ist, Eurhythmie zu sagen) übergetragen wor-den ist. Allein auch hier ist Das, was bloß symmetrisch (ebenmäßig gebildet, ingleichmäßigen Verhältnissen stehend) ist, noch nicht schon an sich, sondern das sinn-liche Ebenmaß muß sich mit dem geistig Zweckmäßigen und Bedeutsamen verbinden,um den Eindruck des Schönen hervoczubringen. 1'.
Sympathetische Euren, Heilungen durch Sympathie, nennt mandiejenigen versuchten oder wirklich ausgeführten Vertreibungen von Krankheiten,welche nicht durch die Heilwirkung von Arzneimitteln, sondern durch eine gehcim-^ nißvolle Kraft solcher Körper ausgefüyrt werden, die mit dem Kranken nicht noth-wendig in eine unmittelbare Berührung kommen oder in einem unbekannten Eau-salverhältnisse stehen. AlS die hierbei wirksame Kraft nahm man eine Müleiden-heir (Sympathie, von uuv, mit, und TiccRew, leiden) des Menschenkörpers mit Gei-stern, Sternen, andern Menschen, Thicren, Pflanzen, Steinen u. s. w., odereine geheime Wechselbeziehung zwischen dem Menschen und gewissen äußern Gegen-ständen an, welche aber nicht streng erwiesen werden kann. Die Art der Ausfüh-rung sympathetischer Euren ist daher eine sehr verschiedene und geschieht theils durchUmhängen von Amuleten und Talismanen, theils durch Beachtung der Constella-tionen, theils durch Handlungen, die man mit gewissen Gegenständen vornimml,um auf den entfernten Kranken dadurch zu wirken, theils durch Besprechungen undGebete. Daß eine Krankhcitsbehandlung dieser Art häufig auf Täuschung beruhen' müsse, leuchtet ein; ebenso, daß sie bei Abergläubigen, Charakterlosen, durch kör-perliche oder geistige Leiden Geschwächten leichter Eingang finden werde als beiUnterrichteten, Hellen Köpfen und unverdorbenen Naturen. Es kommt Alles dar-aus an, in dem Kranken den festen Glauben zu erwecken, daß das Mittel helfe»werde, und cs wird, unter sonst günstigen Bedingungen, auch gewiß Helsen. ESfacht ein so fester Glaube die Hoffnung zur ersehnten Genesung und mit ihr die somächtige Naturheilkraft an, durch welche dann oft glücklich die Krankheit überwun-den wird, wenn dies nur überhaupt möglich ist. Es wird dies aber bei solchenKrankheiten am leichtesten möglich sein, welche in der Psyche selbst, oder im Ner-vensystem wurzeln (z. B. Geisteskrankheiten, Epilepsien, Krampfkrankkeiten), oderwelche von psychischer Seite leicht erregbar sind, wie Rose, Wechselsieber, Leber-^ kcankbeiten u. a.
Sympathie (eonsensus, Mitleidenheit) ist die Eigenschaft des Orga-nismus , vermöge welcher durch die vermehrte oder verminderte Thätigkeit einesOrgans auch die eine« andern vermehrt oder vermindert wird. Da der Begriff deSOrganismus es mit sich bringt, daß aus der Vielheit eine Einheit, aus dem Ver-schiedenen ein Ganzes dargrstellt werden soll,' so müssen auch nioihwendig alle Theiledesselben mit einander correspondiren, und es geht aus dem Begriffe des Organi-schen schon die Wechselwirkung als nothwendig hervor, von der die Sympathie
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