896
Symbolische Theologie
eignes Symbolum entworfen, welches das Gepräge jenes Streits, aus dem eshervorgegangen, nur zu offenbar an sich tragt. So hat die reformirte Gemeinde fastin allen Landern eigne Bekenntnißschristen und kein durchaus allgemeines, vonAllen angenommenes symbolisches Buch. Auch die kleinern kirchlichen Parteien,die böhmischen undmährischenBrüder, sowie die altern Waldenser u.Wiclcfiten,die Mennoniten, Methodisten und selbst die Quaker (wiewol diese durch Lchrfor-meln sich zu binden nicht lieben), die Remonstranten, endlich dieAnt itrinitaricr oderUnitaricr und Socinianer Habei, ihre besonder» öffentlichen Bekenntnißschristen,meist zu ihrer Selbstvertheidigung und zur Begründung ihrer Ansprüche ausDul-dung und freie Religionsübung im Staate, aufgesetzt und nachher;» symbolischemAnsehen erhoben. Die Unstarrer haben dabei meist die Form des sogen, apostoli-schen Symbolums beibehaltcn, ihm aber einen ganz andern Sinn untergelegt, densie mit vielen beigefügten, aber nachihrcr Weise gedeuteten Schriftsteller« zu bewei-sen suchten. Über den Werth und die Nothwendigkeit symbolischer Bücher habenbesonders in neuern Zeiten sich manche Streitigkeiten erhoben; doch hat keine kirch-liche Gemeinschaft ihre Symbole aufgegeben, und kann auch derselben, wenn siealseineechtc, friedlicheNeligionsgesellschaft bestehen will, nicht entbehren. Dennjede Gemeinschaftmuß etwas Festes und Bestimmtes haben, in dem alle ihre Glie-der mit einander übereinstimmen, und dieses muß, in klaren und einfachen Wor-ten ausgesprochen, allgemeine Verbindlichkeit für Alle haben, die ihr in Wahrheitangehören wollen. S.„1übri«)miboIiciLcoIe8>ao1'.vanFeIio.'re"v0N J.A.Titt«mann (2. A., Leipz. 1827); dieselben von C. A. Hase (Leipz. 1827, 2 Thle.);„Die symbol. Bücher der evangel.-luther. Kirche, deutsch mit historischen Einlei-tungen, Anmerkungen u. Erläutcr. für Volksschullehrer ,c.", herausgeg. von I.W. Schöpff (Leipz. 1827,2 Thle.); „korpus librorum o^mbolicorum ote.",mit e.histor.-litcrar. Abhandl. und e. Register, von v. I. Ehr. August,' (Elber-feld 1827), und „Die symbol. Bücher der evangel.-luther. Kirche", von v.Fr.A. Käthe (Leipz. 1830).
Symbolische Theologie oder theologische Symbolik zumUnterschied von der m yt ho logischen od. allgemeinen Symbolik odcrLehrevon denSymbolen der alten Völker, wie sie unter Andern Creuzer bearbeitet hat,heißt diejenige theolog. Wissenschaft, welche die Geschichte und den Inhalt der sym-bol. Bücher, dieKirchenlehrc, als solche, sei es, umdieselbe zubeweiscn oder zu be-streiten, immer aber um irgend ein kirchliches Lehrgebäude als ein wohlbegründetcsGanzes darzustellen, gründlich erörtert. Es ist eine histor. Wissenschaft, die abereinephilosophisch begründete Erkenntnis und eine strenge Beweisführung voraus-setzt. Sie muß vergleichend verfahren, die symbolischen Lehren einer kirchlichen Ge-meinschaft mit denen andrer Gemeinschaften und mit den in den einzelnen Sym-bolen bestrittenen und verworfenen Lehren zusammenstellcn, und die überwiegen-den Gründe fürdiese oder jene Ansicht entwickeln. Sie ist zunächst für die LehrerderReligion, die, wie sie sich auf die Bekenntnißschristen ihrer Kirche verpflichten,mindestens eine genaue Kenntniß des Ursprungs, der weitern Gestaltung und desInhalts ihrer Symbolehaben müssen, sicistauchsürjedcsGliedeinerGemeinde,das mit rechter Klarheit und Sicherheit eine eigne Ansicht nd Überzeugung vondem Ganzen der Lehre seiner Kirche zu erwerben und zur rechten, vollkommenenÜbereinstimmung mit derselben gelangen will. Im weite n eu'nne umfaßt diesymbolische Theologie oderSymbolik den ganzen Kreisln, kirchlichen Symbole,also auch die kirchlichen Gebräuche und Zeichen, die zur Eigcnthümlichkeit einerKirche gehören. Historisch entwickelt sie auch den Ursprung, die Fortbildung undden Sinn dieser Gebräuche und Zeichen, und befreundet dadurch mit den besonder»,in dem Glauben und der Lehre begründeten Eigenthümlichkeiten der kirchlichenEinrichtungen. Symbolik aber, als Kunst gedacht, wäre die Kunst, religiöse Ideen