894 Symbolische Bücher
Gemeinde übcrgetreten war. Auch im Kurfürstcnlhum Pfalz ward es -war, dochohne das Taufbüchlein, angenommen, aber auch wieder verworfen. Die Evan-gelischen außerhalb Deutschland glaubten, eswenigerzu bedürfen unddurch dieseEintrachksformclnur neue Zwietracht zu erwecken, die anderwärts auch wirklich er-folgte. Bis in die neueste Zeit ist es denn auch fortwährend am meisten angefoch-ten und nie von der gcsammten evangel. Kirche als symbolisches Buch anerkanntworden. Die evangel.-lutherischcn Gemeinden außerhalb Deutschland, besondersin Dänemark und Schweden, haben vorzugsweise die augsburgcr Eonfeffion alsihr symbolisches Hauptbuch angenommen, aus welches sie auch die Geistlichen undLehrer verpflichten. — Gleichzeitig mit der evangel Gemeinde inDeutschland harteeine ähnliche in der Schweiz, besonders unter Ulrich Zwingli's und einiger andernerleuchteten und redlichen Männer Leitung sich gegründet. Diese aber gerielh baldmit den deutschen Evangelischen, besonders über die Abcndmahlslehre, in Streik,und sonderte sich endlich durch besondere Bekenntnisse, dieihre Unterschcidungs-lehren aussprachen, von jenen ab. Calvin machte dieje Scheidung noch größer, ammeisten durch s. strenge Lehre von der Vorherbestimmung (Prädestination), durchwelche er zugleich zu vielem Zwiespalt innerhalb der reformirten Kirche selbst Ver-anlassung gab. Schon 1530 hatte Zwingli sein Glaubensbckenntniß, nachdem dieaugsburger Confession übergeben worden, ebenfalls zum Reichstag gesendet, undda zugleich 4 deutsche freie Städte (Strasburg,Memmingen, Konstanz u. Lindau),die sich zurSchwcizcrlehre hinneigten, ebenfalls ihr besonderes Bekenntniß (confos-sio 1'etrspolitnns) dem Kaiser vorlegten, war der Zwiespalt der Evangelischen da-durch noch offenbarergeworden. Die reformirteGcmeinde abergelangtc auch in sichselbst nie zu jener Eintracht undEinmüthigkeit, die unter dcnEvangel.-LutherischeninDeutschland u.a. Ländern, alles spatem Streits ungeachtet, doch erreicht ward,theilS weil Zwingli zu kurze Zeit lebte, um einen so entschiedenen Einfluß, wieLuther, zu gewinnen, thcils weil vom Anfang Mehre neben ihm einen selbständi-gen, von dem seim'gen abweichenden Weg der Kirchcnverbessecung cinschlugen, undbesonders Calvin vielen Zwiespalt veranlaßte, theils weil in verschiedenen Ländern,welche der Schweizerlehre Beifall gaben, die neuen Gemeinden nach örtlichenund Zeitverhältnissen eigenthümlich sich ausbildeten; theils endlich, weil in der re-formirten Lehre selbstStoffzu endlosen Streitigkeiten gesetzt war, also daß manmehr von reformirten Gemeinden als von einer reformirten, durch gemeinsameSymbole auch äußerlich verbundenen Kirche reden kann. Ein Theil der reformirtenGemeinden in Deutschland und der Schweiz hat nachmals die augsburger verän-derte Confession, obwol ohne völlige Übereinstimmung mit ihren Lehren, ange-nommen und dadurch als augsburger Confessionsvcrwandte, besonders im westfä-lischen Frieden, gleichen Schutz, politische Sicherheit und insofern gleiche Rechtemit den Evangelisch-Lutherischen erlangt. Bald nach Zwingli's Tode, als immerneue Versuche gemacht wurden, die deutschen Evangelischen und die Schweizermit einander zu vereinigen, unter letztem aber mannigfache Streitigkeiten sich er-hoben, bearbeiteten mehre angesehene Schweizertheologen, namentlich Bullingcr,Leo Judä, Myconius, Grynäus und Großmann, ein neues Bekenntniß, wel-ches 1536 u. d. T.: ,. Confessio Iielveticu" (s. Ossilcoiisis) erschien, aber denStreit nicht schlichten konnte, vielmehr neue Zwietracht erregte. Es wich da-von auch --in neues, 1566 Namens der reformirten Theologen in der Schweiz,Polen, Ungarn und Schottland, zu Zürich ausgegcbenes Bekenntniß wieder be-deutend ab. Auch das von Calvin schon 1551 verfaßte und nur u. d. N.: „Con-sensus '1'iAurinus", 1554 bestätigte, besonders die Prädestinationslchre ent-wickelnde, und zu symbolischem Ansehen erhobene thcologischcWerk hatte denFrie-den nicht vermitteln können. Jahre waren vergangen, viele neue Streitigkeitenentstanden, als 2 ehrcnwerthc Schweizertheologen, Joh. Heinr. Heidegger in