893
Symbolische Bücher
beigefügt worden (denn ursprünglich bestand Luther's Katechismus nur aus 5:von den 10 Geboten, Glauben, Gebet, Taufe,Abendmahl), und es ist wahrscheinlichJoh. Knipstrov (Superintendent zu Stralsund) Vers, des Hauptstücks vom Amtder Schlüssel. Durch den kleinen Katechismus war für einen bessern Religions-unterricht der Jugend gesorgt, und der große setzte auch die einsaitigem Pfarrherrenund Schullehrer in den Stand, jenen zweckmäßig zu erläutern. Die lichtvollenund reichhaltigen Erklärungen, welche Luther selbst den 10 Geboten rc. angehängthat, unddieAbschnitte über Taufe und Abendmahl enthalten zugleich dasEigen-thümliche der evangel. Kirchenlehre. Aberalle diese symbolischenBücherkonntennicht verhüten, daß die evangel. Theologen sich in endlose Streitigkeiten verwickel-ten, die den Frieden der Gemeinde völlig zu vernichten und die verderblichsten Spal-tungen herbeizusühren drohten. Darum dachten wohlgesinnte Fürsten undTheolo-gen lange darauf, den Zwiespalt der Meinungen aufzuheben und eine rechte Ein-müthigkeit wiederherzustellen. Dazu schien ein neues symbolisches Buch, welches,die altern bestätigend, nur über die neuen Streitpunkte sich befriedigend erklärenund so untcr allen Parteien der evangel. Gemeinde vermitteln sollte, Vielen noth-wendig. Besonders die bald verborgenere, bald offenbarere Hinneigung mehrersächs. Theologen zuderSchweizcrlehre(demKryptocalvinismus) hatte schon Ver-anlassung gegeben, die alte streng-lutherischeLehremehrmals in bcsondcrn eignenBekenntnißschriften zu erneuen und zugleich auf andre Streitigkeiten darin Rück-sicht;» nehmen. Jak. Andrea, Prof, und Kanzler der Um'versität zu Tübingen, eingelehrter, überaus thätigec und eifriger, dabei aber friedliebender Theolog, fühltesich vorzüglich berufen, den Frieden Inder evangel. Gemeinde herzustellen, undscheute seit 1569 weder M ühe noch Aufwand, weder die Beschwerden vieler Rei-sen noch den heftigen Widerstand, den er an mehren Orten fand, an seinem Plan,eine vollständige Eintracht (Concordie) zu bewirken, mit allem Ernst zu arbeiten.1574 wardaufcinem LandtagezuTorgauein neuesBekenntniß, die sogen, tor-gaucr Artikel, unterzeichnet. In dems. I. verfaßte Jak. Andreä im KlosterMaulbronn in Schwaben ein ähnliches, und theilte cs den niedcrsächs. Theologen,besonders Mart. Chcmnitius in Braunschweig, mit, der aberMchres daran än-derte, woraufcs von den schwäbischen und niedcrsächs. Theologen angenommen unddie schwäbisch-sächsische Concordie genannt ward. Da aber beide neue Bekenntnisseden Frieden noch nicht bewirkten, kamen 12 angesehene Theologen 1576 auf demSchloß Lichtenburg bei Wittenberg zusammen, um nach der Absicht des KurfürstenAugust von Sachsen eine neue Formel zu entwerfen. Andreä, ChemnitiuS, Chy-träus, Andr. Muskulus und Christoph Körner erhielten den Auftrag, dasselbeförmlich abzufaffen. Sielegten die torgauer Artikel und die schwäbisch-sächsischeConcordie zum Grunde und vollendeten in Torgau das sogen, torgauer Buch, das,weil es sich streng an die altern evangel. Bekenntnisse hielt, die Eintracht herzu-stellen wol fähig schien,undin dieser Absichtden Theologen andrer evangel. Länderzur Prüfung mitgetheilt ward. Aber die zahlreichen Gutachten, welche nun ein-gingen, enthielten mancherlei Ausstellungen. Um diese zu berücksichtigen undso das Werk zu vollenden, kamen Andrea, Chcmnitius und Selnecker 1577 nocheinmal im Kloster Bergen bei Magdeburg zusammen; Chylraus, Muskulus undKörner gesellten später sich ihnen zu, und im Mai 1577 war das bergischeBuchoder die Concordienformel (vgl. d.) geendigt. 1580 ließ der Kurfürst Augustvon Sachsen dasselbe durch den Druck bekanntmachen und als symbolisches Buchder sächsisch-evangcl. Kirche unterzeichnen. Doch fand es noch viel Widerspruch.Nurin den Herzogs wie in den kurfürstl. sächsischen Ländern, in Würtemberg,Braunschweig-Lüneburg, Mecklenburg und einigen kleinern deutschen Staaten,so-wie in einigen freien Stadien, eryicit und behielt es symbolisches Ansehen. Bran-denburg nahm cs erst an, gab cs aber wieder auf, als der Kurfürst zuc reformirtcn