887
Symbol
düng abhängen, ob das Bild mehr oder weniger dem Schönheitssinne genüge. Sosind die oft seltsamen, zum Thcil selbst widrigen Gestaltungen in den indischen undandern orientalischen Mythologien nicht minder echte Symbole als die harmoni-schen und wahrhaft schönen Bildungen der griechischen Welt. Im engern Sinnehat inan aber in der neuern Zeitdie Bilder und Anschauungen der griech. Mytholo-gie und Kunst symbolisch genannt und dem Allegorischen entgegengesetzt. Dannversteht man unter dem Symbolischen vielmehr die völlige und der Idee vollkom-men angemessene Verkörperung des Geistigen in der Gestalt, wodurch Beides voll-, kommen Eins wird. Wird aber z.B. symbolische oder bildliche Lehrweise, etwa desPythagoras, einander entgegengesetzt, oder doch von einander unterschieden, so be-zeichnet das Bildliche hier jene mathematischen Figuren und Zahlen, die nicht, wiedas Symbol, unmittelbar die Idee selbst zur Anschauung bringen, sondern nureine besondere Bezeichnunas- und DarsicUungswcise derselben sind. Darum kannman auch symbolisch und bildlich nicht als durchaus gleichbedeutend gebrauchen.Ebenso wenig ist in der Rede Symbol und Metapher (s. d.), symbolische undmetaphorische Rede gleichbedeutend. Denn die Vergeistigung des Sinnlichen unddie Verkörperung des Geistigen, die in der Metapher stattsindet, wird doch immernur durch eine Zusammenstellung des Ähnlichen oder mehr allegorisirend bewirkt,und ist nicht so, wie das Symbol, in Einem enthalten. Das Symbol bezieht sichaber besonders auf die höchsten, sogen, religiösen Ideen, welche zugleich die tiefstenphilosophischen Anschauungen enthalten können. Die Jdee an sich ist dann immerein Geheimniß, das mehr oder minder tief, klar und vollständig aufgefaßt werdenkann, ohne daß das Symbol an sich eine Veränderung leidet, weßhalb dieselbenSymbole, die in der alten heidnischen Volksreligion erscheinen, vom Volke selbstabervnlleichc nur unvollkommen verstanden wurden, in den erhabenstcnPhilosophe-men in ihrem bestimmten Ausdrucke wiedergefunden werden. Es ist ein Ausdruckdes Göttlichen, der aber von den Erleuchteten, in seiner Unmittelbarkeit und voll-ständigsten Tiefe aufgcfaßt, dem Volke, das vielleicht selbst die ursprüngliche Be-deutung verloren hat, erst gedeutet, enthüllt werden mag. Je nieyr aber eine Re-ligion noch in den Schranken der erscheinenden Welt befangen ist, je mehr ihre Leh-ren Lehren der Natur sind, desto reicher an Symbolen, desto symbolischer wird sieselbst sein, wahrend jede Offenbarungsreligion, deren Lehren unmittelbarer zu in-nerer, schlechthin geistiger Anschauung gebracht werden und selbst Ideen enthalten,die über den Kreis der Naturanschauung hinavsliegen, nothwcndig an Symbolenärmer, an Begriffen reicher sein muß. Ihre Symbole gehen auch alle mehr auseinem bewußten Bilde derselben hervor, erst aus der innern zur äußern Anschau-ung, Objeclioirung, über, und sind, inwiefern hier die reine Idee früher seinmuß als das Bild, und dieses erst durch Enthüllung jener sein Verstandniß gewinnt,mehr freigewählte Symbole. Damit sie jedoch nicht bloße Allegorien seien, müssensie selbst ei» eigentlicher undgleichsam unmittelbarer, ohne künstliche Deutung dieIdee selbst objectivirenderAusdruck der Idee sein. Daher ist das Heidcnthum anSymbolen so viel reicher als Jndenlhum und Christenthum, in denen nicht durchäußere, sondern durch innere, durch die Offenbarung selbst bewirkte, schlechthingeistigeAnschauung dasFinden der Idee vermittelt ist. Da aber das Göttliche ansich, seinem Wesen nach, in seiner ganzen Tiefe und Klarheit sich nicht in EinSymbol vollständig befassen läßt, so sind alle Symbole nur besondere Ausdrückebesonderer Ideen und Offenbarungsweisen des Göttlichen selbst, und je mehr das-selbe nur in denBesonderheitendcrNaturaufgefaßt und dieerscheinends Welt selbstvergöttert wird, desto reicher und mannigfaltiger wird auch von dieser Seite dieSymbolisirung sein. So sind nun alle die besonder» Göttcrbildungen, in welchendas Heidenrhum die besondern, in der Natur offenbarten Ideen des Göttlichendarstellte und auschaute, Symbole ebendieser Ideen und, in dieser Hinsicht, wahre