Druckschrift 
10 (1830) Schw bis Sz
Entstehung
Seite
45
Einzelbild herunterladen
 

Schweizerische Geschichte von?5I3—1790 45

mißtrauten sie Deutschland wegen Östreich und vereinigten sich mit Graubündten.Hieraus entstand der Schwabenkrieg, den nach 6 Siegen der Schweizer über dieDeutschen der bascler Friede 1499 endigte. Bald nachher wurden Basel und Schaff-hausen (1501), zuletzt Appenzell (1513) in die Eidgenossenschaft ausgenommen.

Aber in auswärtigen und Bürgerkriegen verwilderten Land und Volk. Da-mals eroberten die Schweizer in dem mailändischen Kriege 1512 das Veltlin undEläven; auch erwarben sie von Mailand die ital. Landvogtcien (jetzt den CantonLessin). Denn im Bunde bald für, bald wider Mailand, mit Frankreich und widerFrankreich, kämpften sie auf ausländischem Boden, bis sie nach derRiesenschlacht beiMarignano, die sie 1515 gegen Franz l. verloren, mit Frankreich den ewigen Frie-den zu Freiburg (1516) schlossen, auf welchen 1521 der erste förmliche Bundes-vertrag mit diesem Reiche folgte. *) — Um diese Zeit griff der Ernst der Zeit und dergereifte Geist der Untersuchung das Werk der Reformation auch in der Schweiz an.Zwingli (s. d.) predigte, was Luther schon 1517gcthan hatte, 1518 gegen denAblaß. Schon1516grifferdie Wallfahrten,dieAnbetungderMaria an, und 1517verließen mit Vorwissen s. Gönners, des Abts von Einfiedeln, mehre Nonnen dasKlosterleben. Seine Versetzung von Einsiedeln nach Zürich gab ihm nur, da indessenLuther auch auftrat, 1518 den Muth, noch offener aufzutreten. Als aber daraus Zü-rich, Bern, Schaffhausen, Basel (hier durch Ökolampadius), St.-Gallen, Mühl-hausen und Biel die Reformation einführten, entzweite Religionshaß die rcformir-ten und die katholischen Cantone. Zn Glarus, Appenzell und Bündten theilte sichdas Volk in beide Bekenntnisse. Bei dem alten Glauben blieben Luzern, Uri, Schwyz,Unterwalden, Zug, Freiburg und Solothurn; ferner Wallis und die ital.Landvog-teien. Der Fanatismus entzündete den Bürgerkrieg. Die Schwyzer verbrannteneinen Protest. Prediger aus dem züricher Gebiet; schon standen 2 eidgenössische Heere,beinahe 30,000 M. stark, gegen einander unter den Waffen, als Männer, die derEintracht das Wort sprachen, wie der redlicheJohann'Äbli aus Glarus (1529), denersten Religionsfrieden zu Stande brachten. Nun sollte die Stimmenmehrheit inden Gemeinden bei Glaubensvcränderungen entscheiden. Aber bald reizte die schnelleAusbreitung der Reformation die katholischen Eantone wieder zum Kriege, und dieZüricher wurden bei Cappel (153.1), wo Zwingli blieb, und beim Zugesbcrge geschla-gen. Darauf ward nach dem zweiten Landfrieden die katholische Lehre in Solothurnund in den gemeinschaftlichen Landern wiedcrhergestellt. -— Unterdessen hatte Sa-voyen, das schon längst Vitzthum und Schutzherr von Genf war, dieser Stadt sichganz bemächtigt. Aber der Druck der herzogl. Regierung bewog Genf (s. d.), 1525sich an Bern und Freiburg anzuschließen. Der Herzog mußte nachgebcn. Bern undGenf schlossen den ewigen Vertrag von 1531, und Bern gewann das Land Waadt.Zugleich verbreitete sich von Genf aus durch Calvin (s. d.) die Reformation.Doch entsagte Savoyen erst im lausanner Frieden 1564 dem Waadtlande. Alsowurde Savoyen, wie einst Habsburg, aus Helvetien verdrängt. Um diese Zeit theil-ten Bern und Freiburg (1555) auch die Ländereien des Grafen v. Greyerz untersich, sodaß in ganz Helvetien kein altes großes Haus, Neuburg ausgenommen, mehrSrammgüter besaß. — Dagegen verzwisteten sich die Schweizer unter einanderdurch religiösen und politischen Hader. Mit der Demokratie kämpfte die Aristo-kratie. Spanische Ränke fanatisirten die Bewohner des Vcltlins (1617—21). Inausländischen, besonders franz. Diensten, nahm der Schweizer fremde Sitten an.Er verkaufte sein Blut an fremde Werber; und die alte schlichte biedere Einfalt zogsich in die hohen Alpenthäler zurück. Zugleich löste sich das Verhältniß der Eidge-nossen zu dem deutschen Reiche immer mehr auf. Zwar erbaten sich noch vom Kai-ser Maximilian II. die Cantone die Bestätigung ihrer Freiheiten. Aber bald erhielt

*) Bon Ludwig XI. an bis zu Ludwig XV. gaben die Schweizer in franzKriegsdienst 1,NO,798 M-, und dafür zahlte Frankreich 1,146,868,623 Franken.