44
Schweizerische Geschichte von 1308—1513
die Kccuzzüge erhoben durch den Handel den Flor der Städte, indem ein Theil derHeere, Waffen, Lebensmittel und andre Waarcn durch die Alpenpasse nach Italiengingen. Die Kreuzfahrer brachten Kunstersindungen, neue Arten von Obst, Wein-reben rc. zurück; die Gold- und Seidenarbeiten der Italiener und Morgenländerwurden in der Schweiz nachgeahmt; feinere Sitten verdrängten die bäuerischeRohheit, und die Dichtkunst wurde eine Lieblingsbeschäftigung des Adels. Gegendie Raubsucht der kleinen Herren aber errichteten die Städte unter sich Schutzbünd-nisse und zerstörten viele Burgen, auf denen Ritter hausten, die friedliche Kaufleuteniederwarfen. — Da erhob sich über die alten Landbesitzer am Ende des 13. Jahrh.Graf Rudolf von Habsburg (s. d.), als ihm 1264 die Güter seinesOheims, des Grafen Hartmann von Kybnrg, zugefallen waren. Als Kaiser undKönig (seit 1273) hielt er in Helvetien Gericht; doch brauchte er wenigstens nichtGewalt, um die freien Reichsleute zur Unterwerfung zu zwingen. Aber herrsch-süchtig griffen seine Söhne Rudolf und Albrecht ein in die wohlerworbenen Rechteder Schweizer. Besonders gab Albrecht, der seit 1298 die kaiserl. Gewalt dazu mitanwandte, durch Härte und Unbicgsamkeit die Veranlassung zum ersten Bunde derEidgenossen. (Vgl. Tcll. ) In der Nacht vom 7. Nov. 1307 kamen auf demRütli, einer einsamen Gegend am waldstädter See, 33 redliche, tapfere Landniän-ner zusammen, unter denen Fürst aus Uri, Stauffachcr aus Schwyz undMelchthal aus Unterwalden das Wort führten. Alle schwuren, die uralteFreiheit gegen Unterdrückung zu behaupten.
Also erhoben sich den 1. Jan. 1308 die drei Waldstädte; sie verjagten OstreichsLandvögte und zerstörten die Zwingburgen. (S. AlbrechtI.) Darauf bestätigteAlbrcchts Nachfolger in der deutschen Regierung, Heinrich Vll., den Waldsiädtenfeierlich, was ihnen Albrecht zu entreißen gesucht hatte. Aber das Haus Üstreichkämpfte hartnäckig um die verlorenen Rechte. Da gründete der Sieg der Wald-städte bei Morgarten (15. Nov. 1315) über Leopold von Ostreich den ewigenBund zu Brunnen den 9. Dec. dess. I. Bis 1353 traten noch hinzu : Luzern,Zürich, Glarus, Zug und Bern. Man nannte sämmtliche Genossen die 8 altenOrte. Hierauf gaben ihnen die Siege bei Sempach (9. Juli 1386), wo Arnoldv.Winkelried sein Leben aufopferte, und bei Näfels (9. April 1389) einen nnsichernFrieden. Seitdem wandte sich der kriegerische Geist des Volks zu Eroberungs- undBeutezügen; der Haß der Nachbarn fachte Innere Kriege an; und auswärtigeMächte suchten den Beistand der Eidgenossen. Denn mitten unter den reichsunmit-telbaren Orten lagen noch die Herrcnländcr, deren Politik die Schweizer unter sichund mit den benachbarten Staaten in vielfache Händel verwickelte. Appenzellkämpfte mit dem Abt von St. - Gallen (1400 fg.). 1424 gründeten die Bewoh-
ner des obern oder grauen Bundes ihre Unabhängigkeit, denen in der Folge dieübrigen Bündtner sich anschlosscn. Dann geschah es, daß Kaiser Friedrich III. einfranz. Heer in die Schweiz rief, um seine habsburgischcn Erbgüter zu schützen. Dakämpften die Schweizer ihre Thermopylcnschlacht gegen den Dauphin Ludwig(1600 gegen 20,000) auf dem Kirchhofe zu St.-Jakob (s. d.) bei Basel (26.Aug. 1444). Hierauf reizten sie Karl den Kühnen von Burgund (s. d.).Ec fiel in ihr Land; aber jene siegten bei Gransce, Murten und Nancy (1477). Jegrößere Beute sie machten, desto kriegslustiger wurde das Volk, desto ehrgeiziger dieGroßen. Die Eidgenossen selbst wurden Eroberer. Sie entrissen Ostreich den Thur-gau (1460). Um Toggenburg bekriegten sich (1436 — 50) Zürich, Schwyz undGlarus, bis Bern den schiedsrichterlichen Ausspruch that. Schwyz behielt Recht,und die ganze Eidgenossenschaft erhielt seitdem im Auslande den Namen des Schwei-zer-Bundes. In denselben traten nun auch Frciburg und Solothurn 1481. Alshierauf Kaiser Maximilian I. die Eidgenossen zwingen wollte, sich mit dem schwäbi-schen Bunde zu vereinigen und dem kaiserl. Reichskammergerichte zu unterwerfen,