Schwarze Kunst 11
der Kupferstechern ist die sogen, schwarze Kunst. Man nennt sie in Italien undEngland Uenro tinto (Helldunkel oder halbe Färbung damit bezeichnend) , inFrankreich Hille ittöparAno und 6ravure en nianierv n»iro, und in Süddeutsch-land den Sammetstich oder geschabte Manier. Sie unterscheidet sich vom Kupfer-stechen und Kupserätzen dadurch, daß man bei diesen beiden den Schatten, beiderschwarzen Kunst aber das Licht in das Kupfer arbeitet. Es kommt dabei hauptsäch-lich aufden Grund an. Ein sanftes Verschmelzen, verbunden mit großer Schatten-Wirkung, zeichnet diese Art von Kupferstichen ganz besonders aus; sie ist von auf-fallend schöner Wirkung zu Bildnissen und zu historischen Darstellungen, die nichtviele und nicht zu kleine Figuren haben. In Hinsicht auf die feinen Schattirungensteht sie dem Kupferstiche sehr nach. Die Kupfcrplatte, auf welcher in schwarzerKunst gearbeitet werden soll, wird erst ganz rauh durchkratzt, sodaß, wenn man indiesem Zustande Abdrücke nähme, diese völlig schwarz sein würden. Diese Grün-dung ist sehr mühsam und wichtig, denn von dem dadurch bewirkten gleichen Kornder Platte hängt die sammctartige Weichheit ab; doch kann jeder sorgfältige Arbei-ter sie vollenden, mittelst eines guten Gründungscisens. Auf die Feinheit diesesstählernen Werkzeugs kommt Alles an. In Augsburg hat man Maschinen dazu er-funden. Auf den Grund wird nun die Zeichnung übcrgetragen, indem man daS Pa-pier, worauf sie gefertigt ist, auf der Rückseite mit Kreide überreibt, und solchesdann auf der Platte abdruckt, diesen Umriß aber nachher mit Tusche übergeht. Nunverfährt man ebenso damit als ob man mit weißer Kreide auf dunkles Papier zeich-nete. Man schabt den Grund mehr und minder ab, nachdem man hellere Lichterhaben will. Auf den lichtesten Stellen wird das Korn der Gründung ganz wegge-schabt, doch muß man sich sorgfältig hüten, nicht, in der Hoffnung, schneller fertigzu werden, die Gründung auf einmal wegzuschabcn, weil es sehr schwer ist, sie wie-derherzustcllcn, und weil die zarte Abstufung der Schatten die höchste Schönheitdieser Manier ausmacht. Mitden lichten Theilen fängt man an, doch laßt man im-mer einen Hauch von Korn stehen, nachher überarbeitet man die Reflexe, Alles ingroßen Partien. Man schwärzt alsdann die ganze Platte mit einem Ballen von Filz,um die Wirkung davon zu sehen, und fängt nachher immer an den stärksten Licht-stellen wieder an. Die höchsten Lichter oder Glanzblicke müssen endlich das blankeKupfer ausmachen, zu welchem Behufs dasselbe mit dem Polirstahl wieder geglät-tet wird. Die schwärzeste^ Schatten hingegen bleiben rauh und ganz unberührt;alle Stufen der Schatten und Lichter aber trägt der Gcrbstahl oder das Schabeisenauf das Kupfer. Die stärksten Drucke an den Umrissen übergeht man jetzt mit demGrabstichel. — Da es ungleich leichter ist, Theile des dunkeln Grundes wegzuscha-ben, als die Schalten durch die unendliche Anzahl von Zügen und Strichen in denSchrafsicungen zu bilden, so ist die Schwarzkunst weit schneller und leichter auszu-führen als jede andre Art der Kupferstccherkunst. Sie ist daher viel anwendbarerals das Radiren und Stechen. — Der Erfinder der schwarzen Kunst ist der hessen-kaffelsche Obristlieutenant L. v. Siegen (van Sichem) gewesen, der 1643 den erstenVersuch in derselben mit dem Bildniß der Landgräsin von Hessen, Amalia Elisabeth,gemacht hat. Von diesem lernte sie der kurpfälzische Prinz Robert, oder Rupert,Herzog von Eumberland, welcher sie zur ZeitKönig Karls ll.nach England brachte.Dort wurde sie ungemein beliebt, und man suchte den Prinzen für den Erfinder der-selben auszugcben, indem man erzählte, Prinz Robert sei eines Morgens früh aus-gegangen und habe eine Schildwache etwas entfernt von ihrem Posten mit ihrerFlinte sehr beschäftigt gefunden. Er habe den Soldaten gefragt, was er vorhabe?worauf dieser erwiderte, der Nachtthau habe seine Flinte rostig gemacht, und erputze sie wieder. Als der Prinz das Gewehr betrachtet habe, sei es ihm aufgefallen,daß durch das Policen mancher Stellen sich eine Zeichnung zufällig darauf bildete;dieser Anblick Hab? die Idee des Mezzotinto in ihm erweckt. Ein Kopf Johannis