Druckschrift 
10 (1830) Schw bis Sz
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen
 

Schwärmerei K

keten zubcreitete Patronen, die bei Kunstfeuerwerken mancherlei Art gebraucht wer--den. Die Hülse aus Papier oder Kartenblatt hat zum i'nnern Durchmesser etwa 4Linien. Die gewöhnliche Füllung besteht aus ^ Mehlpulver, -f- Kohle und ^ Salpe-ter. Sie werden über einen kleinen eisernen Dorn auf einem Klötzchen von hartemHolze oder auch auf einem Tische geschlagen. Man hat ganz kleine Schwärmer biszur Länge von 5 6 Zoll.

Schm ärmere! ist ein krankhafter Zustand des Gemüths, in dem man sichfortdauernd Verhältnisse, Erfahrungen und Erfolge als wirklich oder erreichbar vor-stellt, die nur noch in der Idee bestehen oder überhaupt in daS Gebiet solcher Einbil-dungen gehören, die niemals Wirklichkeit erhalten können, und danach im Handelnverfährt. Die Schwärmerei der Freundschaft und Liebe erträumt sich eine Reinheit,Zartheit und JnnigkeitdcS Verhältnisses mit geliebten Personen, wie sie in Stun-den höherer Weihe wol empfunden, aber unter den aus Geist und Sinnlichkeit zu-sammengesetzten, von körperlichen Bedürfnissen abhängigen Menschen nicht aus-dauernd erhallen werden kann. Die moralische Schwärmerei traut sich und A. einehöhere sittliche Vollkommenheit zu, als man nach den von der Seelenstärke, Festig-keit und Reinheit der tugendhaftesten Menschen gemachten Erfahrungen bei sterbli-chen Wesen erwarten darf. Die politische und philanthropische Schwärmerei trägtsich mit Phantasiebildern eines Zustandes der bürgerlichen und allgemeinen mensch-lichen Gesellschaft, wie ihn weder die Bildungsstufe der Mehrzahl, noch die Ge-walt der Leidenschaft unter den Regenten und Regierten, noch die politische Stel-lung der Völker gegen einander zur Wirklichkeit kommen läßt. Schwärmer dieserArt pflegt man mit Recht die gutmüthigen zu nennen; sic können zwar, wo sie ih-ren Einbildungen gemäß handeln, manchen Mißgriff und manche Übereilung bege-hen, auch gegen Andersdenkende heftig und unduldsam werden, doch wenn sich nurkein heimlicher Ehrgeiz oder Eigennutz in ihre Hoffnungen und Bestrebungen ein-mischt, wird ihre Schwärmerei eher ihnen selbst als Andern Nachtheil bringen.Gewöhnlich übernimmt das gemeine Leben mir seinen Reibungen die Cur dieser oftsehr liebenswürdigen Kranken. Vielfältig getäuscht, durch niederschlagende Erfah-rungen überführt, daßderZustandderDinge, der ihren Wünschen entspräche, nochnicht da oder überhaupt nicht zu verwirklichen ist, gcrathen sie in eine Verstimmung,ausderes, nach Beschaffenheit ihres geistigen Vermögens, zweierlei Auswegegibt.Schwächere Gcmüther werden sich in diesem Mißmuth aufreiben und, da Zuredenkeinen Schwärmer mit der Welt versöhnt, als Opfer ihrer schönen Träume unter-gehen. Ist hingegen ihre Natur kräftig und lebensfroher Mukh in ihnen, so werdenwir dieselben, wenn die Erfahrung ihnen die Binde von den Augen genommen hat,aus dem Kampfe mit der Wirklichkeit als Weise hervorgehen sehen, die, mit vielsei-tiger Umsicht und Urtheilsfahigkeit bereichert, das Leben beherrschen lernen und, in-dem sie weniger wünschen und hoffen, desto mehr zur allmäligen Verbesserung derunvollkommenen Welt zu thun wissen. Viel gefährlicher und schwerer zu heilenist die religiöse Schwärmerei, weil sie von Behauptungen ausgeht, die daS Rechteiner subjectiven Überzeugung auf ihrer Seite haben, und sich auf einem Gebietebewegt, für das in der Welt des Begreiflichen kein Maß zu finden ist. Hier wirdsie am leichtesten zum Fanatismus, welches gleichsam der Paroxysmus derSchwärmerei ist. (Vgl. Fanatismus.) Alle Schwärmerei hat ihren Grundin Mangel oder nicht gehöriger Übung der Urtheilskraft bei starker Phantasie undEmpfindsamkeit; denn nur wo esan Urtheil und Umsicht fehlt, können unstatthafteMeinungen Eingang finden und dunkle Gefühle und Einbildungen eine Übermachterhalten, die das Gemüth auS dem Gleichgewichte der Gesundheit bringt. Immerzeigt sich die Schwärmerei in einer ordnungswidrigen Thätigkeit des Geiste«, beiwelcher Gefühle und Einbildungen die Herrschaft erhalten. Lehrreiche Beiträge zurGeschichte der Schwärmerei sind:Die schwärmerischen Gräuelscenen der St.-Gal-