Quiberon 981
zu dem köm'gl. Heere in der Vcndöe oder zu den Ehouans zu stoßen. Ihre Erwar-tung eines glücklichen Erfolgs war so zuversichtlich, daß sie dadurch selbst das briti-sche Ministerium hinrissen, welches der Meinung war, man müsse erst mehr Trup-pen beisammen haben. Pitt sagte daher zu Puysaye undHerEy, welche die Unter-nehmung beschleunigt wissen wollten: „Sie werden Ihren Zweck verfehlen, wennSic sich mit so wenig Truppen bloßstellen. Sie müßten nach meiner Meinung war-ten". Allein Puysape versicherte, die Erscheinung einiger tausend Mann wäre hinrei-chend , um ganz Bretagne zum allgemeinen Aufstande zu bewegen; sie brauchtennichts als Waffen, Pulver und Schiffe. Der britische Minister gab endlich der Erfah-rung eines Mannes nach, welcher den Krieg verstand und schon vor der RevolutionGenerallieutenant gewesen war. Doch waren andre franz. Ofsiciere, z. B. der Ge-neral Hcctor, mit diesem Wagnisse so wenig einverstanden, daß sie in England zurück-blieben. Die Schaar der Ausgewanderten wurde nun mit britischer Freigebigkeit aus-gerüstet. Oberansührer war der Graf v. Pupsaye. Unter den Soldaten befandensich aber auch eine Menge franz. Kriegsgefangener, die sich hatten anwerben lassen,um bei dieser Gelegenheit nach Frankreich zurückzukehren. Sie segelten unter demSchutze einer britischen Flotte nach der franz. Küste, und nachdem Admiral Bridport,mit 10 Linienschiffen, den franz. Adm. Villarct Jopeuse, mit 12 Linienschiffen und11 Fregatten, den 23. Juni 1795 auf der Höhe von Lorient geschlagen und 3 Li-nienschiffe erobert hatte, landeten die Ausgewanderten, 3036 M. stark, ohne Hin-dcrniß den 27. Juni an der Küste bon Quiberon. Sie rückten rasch vor, und mehre1000 Franzosen vereinigten sich in Kurzem mit ihnen, sodaß sie nach einigen Anga-ben 10,000 M. stark wurden. Aber schnell zog der republikanische Feldherr Hochemit einem Heere von 25,000 M. heran und hinderte die Vereinigung der gelande-ten Schar mit den im Innern des Landes bewaffneten Ehouans. Die Landzunge,welche die Halbinsel mit dem festen Lande verbindet, wird durch die Feste Penthievrevertheidigt. Dieser bemächtigten sich die Ausgewanderten. Sie drangen bis überAuray vor; allein zurückgcworfen von der Übermacht mußten sie sich auf die Halb-insel zurückziehen, wo ihre Stellung beinahe unbczwinglich war; denn die Festungs-werke sind zum Theil auf steilen Felsen angelegt. Hierauf entsandten sie den 10.Juli eine Schar königl. Truppen in das Innere von Bretagne, welche durch Zulaufvon Ehouans zu einem beträchtlichen Haufen anwuchs, aber ihnen dennoch das Landzu öffnen nicht vermochte. Auch mißlang ihnen in der Nacht vom 15. zum 16.Juli ein Angriff auf die Republikaner bei St. Barbe. Der Graf v. Hervilly wurdeverwundet, führte aber dennoch den Rückzug in guter Ordnung aus, bis Sombreuilan seine Stelle trat. Schon bei diesem Angriffe zeigten sich Spure» von Verräthe-rei; gleichwol war man so unvorsichtig, die Besatzung der Feste Penthievre demRegimente Hervilly anzuvertrauen, in welchem viele gewesene Kriegsgefangene durchVerralh ihre Freiheit zu erlangen suchten. Ihre Lage wurde nicht besser, als ihnenGraf Sombreuil den 17. Juli eine Verstärkung von 1174 M. zuführte. DieseMannschaft besetzte die Gegend zwischen Penthievre und Quiberon, nahe am Meere,und rettete zuletzt noch einen Theil der Gelandeten. Unterdessen hatte General Hochemit den Verräthern in der Feste Penthievre Verabredung genommen. Er überfieldaher in der Nacht vom 20. Juli die Feste, welche 4600 M. vcrthcidigten, und er-oberte sie mit 200 M. Die Republikaner wurden nämlich von den verrätherischenVorposten auf einem steilen Felstnwsge bis in die inner» Werke geführt. Beim er-sten Lärm wollte der Befehlshaber die Truppen sammeln, ward aber erschossen; 800M. legten hierauf das Gewehr nieder oder schossen ihre eignen Ofsiciere todt. DieVerrathenen waren ohne Anführer, und in der Verwirrung war das Gemetzel groß.Viele Königliche liefen zu den Republikanern über und hieben mit ihnen zugleichauf die noch Widerstand Leistenden ein. Sombreuil konnte jetzt Nichts lhun als dieEinschiffung der übriggebliebenen Ausgewanderten decken. Er und seine 2 Ba-