938 Putbus Pütter
Herr v. Tütcherode fand ihn in einem vermauerten Winkel der Rothenburg, 1552kam er nach Sondershausen; wo er früher, zur Zeit seiner Verehrung, ausge-stellt war, ist unbekannt. S. auch Hesse's „Gesch. des Schlosses Rothenburg"(Naumburg 1823). Der Berf. hält ihn für ein physikalisches Kunstwerk aus dem15. oder 16. Jahrh. Die Versuche, ihn zum Feuerspeien zu bringen, wollten nichtgelingen. Eine Nachricht und eine Abbildung der Idole geben die „Curiositäten" (2.Bd„ 3. St.). S. Bertram's „Nachricht vom Püstrich" (Gondershausen 1811).
Putbus. Die Fürsten, Grafen und Majoratsherren zu Putbus und Spy-ker auf der Insel Rügen stammen von des rügischen Fürsten Stoislaw's l. Enkel,Borante, ab, welcher 1249 als Apanage das Schloß Putbus nebst 15 Dörfern,die Halbinsel Jasmund und andre ansehnliche Ländereien erhielt. Sie wurden 1727deutsche und 1731 schwedische Reichsgrafen. Gustav IV. Adolf, König von Schwe-den, erhob d. 25. Mai 1807 den Grafen Malte von Putbus und dessen männlicheNachkommen, nach dem Rechte der Erstgeburt, in den schweb. Fürstenstand, undFriedrich Wilhelm 1H, König von Preußen, bestätigte 1817 nicht nur, da Schwe-disch-Pommern 1815 an Preußen gekommen war, diese Würde, sondern ertheiltcauch dem Fürsten von Putbus den Titel Durchlaucht. Der Fürst Malte (geb.1783) ist Mitglied des. k. preuß. Staatsraths, Generalgouverneur in Neuvorpom-mern und Rügen, Kanzler der Universität Greifswalde.
Pütter (Johann Stephan). Das Leben dieses großen Staatsrechtsleh-rers ist nicht reich an wechselvollen Ereignissen, aber es zeigt uns einen Mann, derdurch stille, doch kräftige Thätigkeit der Lehrer von Tausenden wurde und in unge-störter Ruhe das höchste Glück eines gelehrten Stilllebens genoß. P., geb. d. 25.Juni 1725 zu Iserlohn in der westfäl. GrafschaftMark, wo s. Vater einen ansehnli-chen Handel trieb, war von 8 Geschwistern das jüngste. Als sein Vater 1731 starb,übernahm der älteste Bruder, welcher 1763 als Hoffiscal in seiner Vaterstadtstarb, die Erziehung der jüngern Geschwister. P. wurde in den alten Sprachengut unterrichtet und kam dann zu einem Prediger in Hohenlimburg unweit Iser-lohn in Pension. Noch in seinem Alter erinnerte sich P. mit Begeisterung derZeit, welche er in dem Hause dieses würdigen Mannes verlebte. Der gründlicheund anziehende Unterricht trug zur schnellen Entwickelung der geistigen Kräfte desKnaben bei; daher machte er im Griech. und Latein, schnelle Fortschritte, trieb dasHebräische mit Eifer und las als lljähr. Knabe den größten Theil des alten Testa-ments durch, ja er lernte selbst Chaldäisch. Übrigens unterwies man ihn in derGeschichte, Geographie und den röm. Alterthümem. P. reifte so schnell, daß erim 13. I. die Universität beziehen konnte. 1738 ging er nach Marburg und hörtevornehmlich reine Mathematik und Metaphysik bei Christian Wolf, und bezog1739 die Universität Halle, wo er die Vorlesungen über Dogmatik bei Siegm.Jak. Baumgarten, über Moral bei Alex. Gottl. Baumgarten, über Pandektenund Institutionen bei Heineccius, Lehnrecht bei Just. Böhmer und Staatsrechtbei Ludwig hörte. Letzterer befriedigte ihn nicht; daher ging er 1741 nach Jena,um den berühmten Estor zu hören, durch dessen Vortrag er sich ganz befriedigtfühlte. Er wohnte in Estor's Hause, ward ein vertrauter Freund seines Lehrers,konnte dessen reiche Büchersammlung benutzen und erhielt von ihm Acten, durchwelche er sich eine genaue Kenntniß des deutschen Proceßganges erwarb. Nichtweniger Nutzen zog er aus dem Prakticum, welches Estor über den Reichsproceßlas, und der Beifall, der seinen praktischen Arbeiten ertheilt wurde, munterte ihntäglich mehr auf. So wurde P. durch Estor auf die Bahn geführt, die er später-hin mit großem Ruhme betrat. Gefesselt an seinen Lehrer folgte er ihm 1742nach Marburg. Hier wiederholte er mit einigen Studenten die Vorlesungen Estor'süber die Pandekten. 1743—45 gab er dem in Marburg studirenden Burggrafenß» Kirchberg Unterricht in der Jurisprudenz und wurde durch eine Reise nach