Druckschrift 
8 (1830) O bis Q
Entstehung
Seite
928
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Pugilisrnus Pulci

weisk, einem Dorfe am Don, spielte in Rußland eine wichtige, wenngleich nurkurze Rolle. Schon jung beschäftigten ihn Krieg und Raub; er ward Anführer einerBande. Zn der Folge nahm er im siebenjährigen Kriege beim preuß. Heere Dienste,begab sich dann zur östr. Armee, wo er gegen die Türken als Kosack mit zu Feldezog und 1770 der Belagerung von Bender beiwohnte. Zn sein Vaterland zu-rückgekehrt, suchte er, ein feuriger, unbändiger Mann, ganz in dem Geiste seinerNation, unter seinen Landsleuten den Samen des Aufruhrs auszustreuen, wardaber bald, wegen seines unruhigen Betragens, zu Maikowka an der Wolga cinge-zogen und nach Kasan ins Gefangniß geschickt. Hier wußte er sich zu befreien, gingnun weiter östlich nach Jaizkoi, und da er hier viel unruhige, zu Gewaltthätigkei-ten gestimmte Gemächer fand, so faßte er, verführt durch einige Bekannte, di«zwischen ihm und dem »erst. Kaiser Peter Hl. Ähnlichkeit fanden, den UngeheuernGedanken, sich für Peter !il. auszugebcn. Seine Anhänger verbreiteten das Ge-rücht, man habe statt seiner einen ihm ähnlichen Soldaten aus dem Todtenbette aus-gesetzt, Peter aber sei verkleidet entkommen und erscheine nun nach langem Hrrum-irren unter seinen getreuen Kosacken, von deren Unterstützung er die Wiedererlan-gung seiner Krone erwarte. Der Aufruhr brach in der Mitte Äug. 1773 aus, woein Manifest im Namen dieses Pseudo-Peters verbreitet wurde. Won 9 Mann,woraus anfangs sein Anhang bestand, hakte sich dieser schon im Sept. auf 300 ver-mehrt; überall schlossen sich seine Landsleute und die Bauern an, denen er gegenden Druck des Adels Schutz und Rache versprach. Sein Anhang vermehrte sichdurch 500 Überläufer aus der Festung Zaizkoi, die er aufsodcrte bald traten nochmehre, besonders auch die Roskolniken (s. d.) hinzu. So eroberte er mehreFestungen, beging dabei furchtbare Grausamkeiten, und nachdem er nun auf 5000M. stark und mit 36 Kanonen versehen war, belagerte er, odwol vergebens, dieFestung Orenburg. Indessen verstärkte sich sein Anhang bis auf 16,000 M. DerZulauf von Baschkiren, Wotjaken, vielen Tataren rc. ward immer größer, und dieGefahr drohender. Sogar die alte Haupist. des Königreichs Kasan eroberte erund nahte sich nun Europa, indem er über die Wolga ging. Endlich brachte ihmder Oberst Michelson, unter den größten Strapazen und Gefahren, einen Schlagnach dem andern bei. Er schnitt ihn ab, als die Gefahr am höchsten, und bereitsMoskau bedroht war. Bon seinen Anhängern verlassen, ja verrathen, ward P.gefesselt dem General Suworvff übergeben und hierauf am 10. Juni 1775 nebstden übrigen Rädelsführern zu Moskau hingerichket: bas einzige Todesurtheik,welches unter Katharinas Regierung vollzogen worden ist. So endete dieser Auf-ruhr, der über 100 000 Menschen und überhaupt mehr als irgend einer der blutig-sten Feldzüge kostete. Hatte P. ebenso viel Klugheit als Muth und Entschlos-senheit gehabt, er würde ohne Zweifel eine noch weit furchtbarere Rolle gespielthaben.

Pugilismus, Fausikampf, s. Boxen.

Pulci (Luigi), Dichter, geb. 1431 zu Florenz, war der jüngste von 3 Brü-dern, welche sämmtlich als Schriftsteller von Geist und Bildung bekannt stad. Bons. Lebensumstanden wissen wir nur, daß er mit Lorenz v. Medici und Polizian invertrauten Verhältnissen stand. Sein episches Gedicht:tlUoi-xsuts msMois"(Florenz 1742,4.), worin er die abenteuerlichen Thaten des Rinaldo und des Rie-sen Morgante erzählt, soll er auf Antrieb der Zucrezia, der Mutter des Lorcnzo, ver-faßt und dis einzelnen Gesänge zur Unterhaltung be' der Tafel vorgelcsen haben.Durch eine Vergleichung mit Ariosto und Tasso kann P. nur verlieren. Phantasieist ihm nicht abzusprechen; aber es fehlt ihm an sinnreicher Erfindung, an Geschmackund feinem Urtheil. Die Vermischung des Höchsten und Ernstesten, des Heiligstenmit dem Burlesken und Gemeinen ist im Geiste seiner Zeit, der darin nichts Anstößi-ges fand, erscheint jedoch uns zu roh, um wahrhaft zu gefallen. Seine Schreibart ist