Druckschrift 
2 (1830) Bo bis C
Entstehung
Seite
955
Einzelbild herunterladen
 

Cylindcr Cyniker 955

Täfelchen zu verfertigen, z, B. für 1801, das mit einem Donnerstage angcfangenhat, und die Zahl der von da an bis zum gegebenen hin verflossenen Jahre durch 28zu dividircn und mit dem gebliebenen Reste den Wochentag für den 1. Tag des I.im Täfelchen aufzusuchen. Übrigens ist zur Bestimmung der Feste noch ein zweiterMus nölhig, mit dessen Hülfe das Osterfest, wonach sich alle bewegliche Festerichten, berechnet werden muß. Bekanntlich hängt Ostern von dem ersten Vollmondeah, der nach dem Frühlingsäquinoctium cinfällt. (S. Calender.) Der Mondcy-klus nun ist eine Zeit von 19 I., nach welcher die Neumonde wieder auf denselben, Monatstag fallen. Am 2. Jan. 1813 z. B. war Neumond, es wird derselbe also1832 wieder auf den 2. Jan. fallen. Da die Zeit von einem Neumond bis zumandern, oder der mittlere Mondsmonat, wie die Astronomie lehrt, ungefähr 294Tag lang ist, so kann man sich leicht eine Tafel der Neumonde für die Perioden von19 I. entworfen; man muß nur dabei beachten, daß dieser Mondcyklus alle Malmit einem Jahr ansangt, dessen erster Neumond am 1. Jan. eintritt, und daß dieses11. v. Ehr. der Fall war. Dividirt man die um 1 vermehrte Jahrszahl durch 19,so wird mithin der Rest anzeigen, das wievielste Jahr in der Mondperiode das ge-gebene ist. Diese Zahl wird die goldene Zahl genannt. (S. Calender undEpakt en.) Außer diesen beiden Cyklcn, welche zur Berechnung des CalenderS un-entbehrlich sind, gibt es noch andre, mehr unter dem Namen von Perioden be-kannte. (Vgl. Calender.) L.

Cylindcr (Walze) heißt ein geometrischer Körper, welcher von 2paralle-z len Kreisflächen (Grund- und Oberfläche) und einer von ihnen begrenzten krum-men Fläche (Seitenfläche) eingcschlossen ist. Man unterscheidet senkrechte undschiefe Cylinder; im ersten Falle muß die Axe, d. h. die gerade Linie, die man sichzwischen dem Mittelpunkte der Grund- und obern Fläche denkt, eine senkrechte sein,im letztem Falle muß die Axe gegen die Grundfläche einen Winkel bilden. Derkörperliche Inhalt eines Cylinders ist gleich dem Products aus seiner Höhe in dieGrundfläche. Bekanntlich fand Archimedes, daß der körperliche Inhalt einer ineinem gleichseitigen Cylinder beschriebenen Kugel, d. h. einer Kugel, deren Durch-messer der Höhe oder dem Durchmesser der Grundfläche des Cylinders gleich ist,2 Drittel von dem Inhalte des Cylinders selbst ausmache.

Cymbel, Cymbal, bei den Alten ein Instrument von Erz, 2 hohlenBecken ähnlich, welche, zusammengeschlagen, einen Hellen Ton von sich gaben. Die* messingenen Becken, deren man sich heutzutage bei der sogen. Janitscharenmusik be-dient, scheinen daher entsprungen zu sein. Die Erfindung will man auf den Dienstder Cybele zurückführcn. Die Neuern nennen Cymbelein Glöckchen von Silber,das besonders häufig in alten Orgeln angebracht ist; auch den Klingelbeutel.

Cyniker, eine philosophische Sekte, welcheAntisthenes, ein Schüler desSokrates, in dem Kynosarges zu Athen um 380 v. Chr. stiftete. Der Charakterdieser Philosophie blieb der Sokratischen am meisten treu, besonders darin, daß siedie praktische Moral zum vornehmsten oder vielmehr einzigen Gegenstände machteund alle Speculationen verachtete. Sie setzten die Tugend in das Entbehren undi» die Unabhängigkeit von dem Äußern, wodurch man Gott ähnlich werde. DieseEinfachheit des Lebens übertrieben die Cyniker so, daß sie sogar in Schmutz und, Vernachlässigung alles Anstandes ausartete. Man wollte der Natur gemäß leben,und würdigte sich dadurch zum Wilden, ja zum Thiere herab. Es war daher keinWunder, daß die Cyniker bald der Gegenstand allgemeiner Verachtung wurden.Die berühmtesten ihrer Mitglieder waren, außer ihrem Stifter, Diogenes vonSinope, Krates von Theben nebst seiner Frau Hipparchia, und Mcnippus, wel-cher zugleich der letzte war; denn nach ihm bildete sich aus dieser Philosophie diewürdigere stoische. Das Wort Cynismus wird noch jetzt gebraucht, wenn mandie Verachtung und Vernachlässigung alles Äußern bezeichnen will.