Calcio Calcutta 375
Calcio, eine Art Ballonspiel in Italien, das bei großen Freudenfestengespielt wird. Die zwei spielenden Parteien unterscheiden sich durch kurze Jackenvon rothem und blauem Tastet mit blau und rothen Aufschlagen. Auf einem gro-ßen Platze wird ein weiter Kreis von Zuschauer» geschlossen. Man zieht mit flie-genden Fahnen und kriegerischer Musik auf den Kampfplatz und stellt sich in zweiParteien vier Mann hoch einander gegenüber, so eingetheilt, daß kein Mann hinterdes andern Rücken zu stehen kommt. Ein jeder bekommt dadurch Raum, das Seinigczu thun, wenn der Ball vor seine Füße kommt. Zwischen beiden Parteien bleibtein Zwischenraum, 50 Schritte breit. Es kommt Alles darauf an, den Ball mitde» Füßen aus dem Felde der einen Partei in jenes der andern zu werfen. DieSpielenden wissen während oder vor dem Spiel nicht die Zeit, mit der ihr Spiel endet,und dies ist nur Demjenigen bekannt, zu dessen Ehre das Fest gegeben wird. Die Par-tei, in deren Felde der Ball am Ende der bestimmten Zeit liegt, hat verloren. Seltenkommt ein Spieler ohne mit Blut unterlaufene Waden u. Schienbeine davon. 64.
Calcutta, Präsidentschaft der englisch-ostindischen Gesellschaft in Hin-dostan (10,000 EM., mit 32 Mill. Einw.). Calcutta, die Hauptst. Bengalen«und des ganzen britischen Ostindiens, liegt an dem westlichen Arm des Hoogly,eines Armes des Ganges, auf dem die größten Ostindienfahrer bis zur Stadt kom-men können. Die Fahrt ist jedoch wegen vieler Sandbänke, die ihre Lage undGröße unablässig verändern, nicht ohne große Gefahr. Erst im vorigen Jahrh.hat sich Calcutta aus dem unbedeutenden Dorfe Govindpour zu seiner jetzigen Größeund Pracht erhoben. Das Klima war, als die Engländer 1690 sich zuerst hiernicderließen, ebenso ungesund wie zu Batavia; erst nach und nach hat man esunschädlicher gemacht, theils durch Hinwegschaffung eines nahen Waldes, theilsdadurch, daß man lernte, seine Lebensweise ihm angemessener einzurichten.Dennoch war diese Niederlassung in stetem Wachsthum, erholte sich schnellvon der 1756 erlittenen Zerstörung, und ist jetzt eine der prächtigsten Städteder Welt (im I. 1823 in 78,760 H. 197,000 E., darunter über 13,000Christen, über 48,000 Mohammedaner, über 118,000 Hindus rc., mit den Di-stricten außerhalb des Stadtgebietes 6—800,000 M. und mit den benachbartenOrtschaften in einem Umfange von 7 Meilen 2,225,000 E.). Die Häuser derEngländer, die ein eignes Stadtviertel bilden, sind aus Backsteinen, von schönerBauart und zum Theil Palästen ähnlich. Wegen des heißen Klimas sind sie nichtaneinandergcbaut, sondern stehen getrennt, haben hohe und luftige Zimmer, platteDächer und sind mit einer Veranda (einem Säulengange) umgeben. Dagegensticht die sogenannte schwarze Stadt (die Peltah), der von den Eingeborenen bewohnteTheil, gewaltig ab; sie hat überaus enge und krumme Straßen, untermischt mitvielen Gärten und unzähligen Wasserbehältern. Einige sind gepflastert. Häuseraus Backsteinen, aus Lehm, aber meist aus Bambusrohr und Strohmatten, stehenbunt durch einander. Die Citadelle Fo rtWilliam unweit der Stadt, vom LordClivc 1757 begonnen, ist ein prachtvolles Fünfeck mit vielen Außcnwerken, aberzur Vertheidigung zu ausgedehnt. Sie enthält bombenfeste Gebäude für 10,000Mann, und würde auf den Werken 600 Kanonen erfodern. Sie beherrscht denFluß. Ein Graben umgibt das Ganze, der aus dem Hoogly bis auf 8 Fuß Höhegefüllt werden kann. Zwischen Fort William und der Stadt liegt eine Ebene, dieals Spaziergang immer besucht ist. Hindoo, Schwarze, Europäer, Equipagenaller Art und Palankins wimmeln hier bunt durcheinander. Auf der Westseite stehtdas vom Marquis Wellcsley mit einem Aufwande von einer Million Pf. St er-baute neue Gouvcrncmentshaus, das durch seine Pracht in die Märchenwelt vonTausend und eine Nacht versetzt. Das alte Fort ist jetzt ein Zollhaus, und dasschwarze Loch eine Niederlage. Ein 50 Fuß hoher Obelisk am Eingängeenthält d,c Namen der unglücklichen Gefangenen, die hier 1756, als der Nabob