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Böhmische Sprache und Literatur
nuancirt wird. Die Griechischen «H« z-e?, re rc. kommen mit dem
Böhmischen eie, palc, vsalc, li, r, t' überein, jedoch werden die drei letztem im-mer einem Worte angehängt. Endlich trägt die freie ungebundene Wortstellungviel zur Deutlichkeit bei, da das Böhmische weniger als alle andre neuere Sprachenan eine gewisse bestimmte Wortstellung gefesselt ist. Durch eine glückliche Mi-schung der Vocale und Eonsonanten, und eine der Aussprache günstige Zusammen-reihung der letztem, erhält die böhmische Sprache viertens viel Wohlklang.Zwar haben Einige sie des r (lies rock) wegen rauh nennen wollen; allein der volleKlang eines Wortes, nicht einzelne Laute desselben, entscheiden über Härte undWeichheit einer Aussprache; zudem muß jede Sprache, wegen der Verschiedenheitder darzustellenden Empfindungen sanfter und rauher Art, auch harte Laute bildenkönnen. Empfindet man nicht gleich bei den Worten drinkot ineeu, tr^Icotdubnu, Icriic rvjte 2 )-v/eil (das Geklirre der Schwerter, das Wirbeln der Trom-meln, das Geschrei der Siegenden) das Furchtbare der Schlacht? — Die En-dungen der so mannigfaltigen Declinationen der Substantiven und Adjectiven,dann der Conjugationen, gehen größtentheils in einen Vocal oder einen der leichternEonsonanten aus. Überhaupt hat der Böhme eine natürliche Melodie auf grie-chische Art schon in seiner taktmäßigen Sprache; denn die Zunge verweilt längerüber einer Sylbe mit einem langen Vocal s, j, 7 , u, als mit einem kurzen Vo-cal. In dem böhmischen Alphabet von 42 Buchstaben (daher sich die Czechen-sprache nächst dem Russischen an das Indische anschließt) befinden sich alle Töneder übrigen Sprachen. Das deutsche z drückt der Böhme mit v aus, das j mit x,das sch mit ss oderdas italienische oe, vi (tsche, tschi) mito, das französischesund Ae, A» mit dem r, das u mit dem das An mit dem n, (baren die Furcht),das englische v mit dem v, besonders am Ende des Wortes. Daher er auch mitseinem Alphabet alle Sprachen in ihrer richtigen Aussprache schreiben und ausspre-chen kann und alle Sprachen leichter und besser erlernt und ausspricht, und nichtselten selbst von Franzosen, Italienern, Deutschen für einen Landsmann angesehenwird. Er wird nie weiche und harte Buchstaben verwechseln; daher ist auch derGesang der Böhmen leicht und anmuthsvoll, und die böhmische Oper gefällt wiedie italienische, indem sie keine Sylben verschluckt, sondern immer vollklingend ist.Nur als Seltenheit finden sich Zusammenstellungen schwerer Mitlaute in den sla-wischen Idiomen, die man aber wieder durch die freie Wortstellung lindern kann.Dies ist der Grund, warum der Böhme nach dem Italiener den ersten Rang in derMusik einnimmt. In ganz Europa findet man böhmische Musiker; Ostreichs Vir-tuosen sind größtentheils Böhmen. Gefühl für Musik geht mit dem Wohlklangeder Sprache einer Nation gleichen Schritt.
Die böhmische Literatur hat fünf Zeitalter. Das erste fängt anvon der Zeit der Mythe und geht bis 1409. — Es ist gewiß, daß unterden slawischen Volksstämmen die Czechen die ersten waren, die ihreSprache veredelt und auf gewisse Regeln festgestellt hatten. (Vgl. das, wasin den Art. Slawen und Slawische Sprache über die frühe Culturder alten Slawen gesagt wird.) Aus dem hohen Alterthume mangelt es unsan schriftlichen Urkunden (wenn wir die Runenschrift nicht vor dem Chri-stenthume üblich annehmen); doch wissen wir, daß die Sprache dieses Zeit-alters mit der jetzigen gleich war, aus den Benennungen der Götzen, Herzoge,Flüsse, Städte, Berge, als: Perun, Prcemysl, Boriwog, Wltawa, Bjla,Praha, Tetjn, Krkonose. Durch den Slawenapostel Method und den Philoso-phen Constantin, sonst Cyrill genannt, wurden die Slawen in Großmähren mitdem Christenthume bekannt, von wo auS es unter Herzog Voirwog nach Böhmenvordrang, und so erhielten sie den griechisch-slawischen Gottesdienst (1.845). Die-ser Constantin ersann für die Laute der slawischen Sprache das cyrillisch-slawoni-