Druckschrift 
2 (1830) Bo bis C
Entstehung
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Boerhaave 9

der ordnete. Diese Arbeit führte ihn auf den Gedanken, selbst Lettern zu schnei-den und zu gießen. Nach einer hohem Ausbildung strebend, beschloß er 1766,nach England zu gehen. Er besuchte auf dem Wege seine Vaterstadt, wo ihnein heftiges Fieber überfiel, das seinen Reiseplan zerstörte. Um diese Zeit hatteder Jnfant Don Ferdinand, Herzog von Parma, daselbst, neben andern wissen-schaftlichen Anstalten, auch eine königl. Druckerei, nach dem Muster derer von Pa-ris , Madrid und Turin, errichtet. B. trat an die Spitze dieser Anstalt, die durchihn zu der ersten dieser Art in Europa erhoben wurde, und erwarb sich den Ruhm,Alles, was seine Kunst früher an prachtvollen und dem Schönheitssinn zusagendenWerken geliefert, bei weitem übertroffen zu haben. Die Schönheit seiner Lettern,seiner Schwarze und des Papiers läßt ebenso wenig als die ganze Anordnung desTechnischen Etwas zu wünschen übrig, und schwerlich möchte es ihm darin irgendeiner seiner Nachfolger zuvorthun; doch kommt der innere Werth seiner Ausga-ben dem glanzenden Äußern selten gleich. Sein Homer ist ein wahrhaft bewun-dernswürdiges Prachtwerk; wie denn namentlich seine griechischen Lettern, unterallen neuern Versuchen, am glücklichsten die Züge der Handschrift nachahmen.Sehr geschätzt sind seine Prachtausgaben der griech., lat., ital. und fcanz. Classi-ker. Er starb zu Padua den 29. Nov. 1813.

Boerhaave (Hermann), einer der berühmtesten Ärzte des 18. Jahrh., geb.am 13. Dec. 1668 zu Woorhout bei Leyden, erhielt von seinem Vater eine gelehrteErziehung. Der junge Hermann verstand noch vor seinem 11. Jahre Griechisch undLateinisch. Ein bösartiges Geschwür an der linken Hüfte, gegen welches er 7 Jahrelang alle Hülfsmittel der Arzneikunde erschöpfte, war Ursache, daß er Neigung fürdiese Wissenschaft faßte. 1682 ward er nach Leyden geschickt, um dort Theologiezu studiren. Hier gab er, 20 Jahre alt, die ersten öffentlichen Proben seiner Ge-lehrsamkeit und Beredtsamkeit. Unter Gronov's, seines Lehrers im Griechischen,Vorsitz hielt er eine akademische Rede: Aus probatur bene intelieot»in » Oive-rone et eonkutatain esse sententiain Opivuri <Io summa dnno" (Leyd. 1690, 4.).B. bestritt darin Spinoza's Lehre mit so viel Talent, daß die Stadt ihn mit einergoldenen Medaille belohnte. 1689 ward er v. der Philosophie und vertheidigteseine InauguraldissertationDe liistinetione nrentis a corpore" (Leyden 1690).Damals sing er, in einem Alter von 22 Jahren, das Studium der Medicin an.Drelincourt war sein erster und einziger Lehrer, er erhielt von ihm nur wenigenUnterricht, und es ist merkwürdig, daß B. allein eine Wissenschaft erlernte, aufdie er einen so wichtigen Einfluß ausüben sollte. Er studirte zuerst die Anatomie,aber mehr in den damals gangbaren Werken eines Vesale, Bartholin rc. als inSectionen. Er war zwar bei den meisten Zergliederungen Nuck's gegenwärtig;dennoch läßt sich der Mangel eines praktischen Studiums der Anatomie in allenSchriften B.'s wahrnehmen. Der Einfluß, den er dennoch auf sie ausübte,war nur eine Folge der nothwcndigen Verbindung zwischen dieser ganz mechani-schen Wissenschaft und der Physiologie und Medicin. Indem er in letztem diemechanischen Erklärungen vorzog, zwang er die Anatomen, sich einem genauenStudium der Formen der Organe zu widmen, wie sich dies an allen Anatomenseiner Zeit, einem Santorini, Morgagni, Valsalva, Winslow, Minus rc.bemerken läßt. Nach diesem vorläufigen Studium, welches in der That dieGrundlage der medicinischen Wissenschaft ist, las B. alle alte und neue Werkeüber die Medicin nach der Zcitfolge, indem er von seinen Zeitgenossen bis zumHippokrates Hinaufstieg, dessen hoher Werth und einzig richtige Methode ihmdadurch recht einleuchtete. Er studirte ebenfalls Botanik und Chemie, und ward,obwol er sich noch immer dem geistlichen Stande widmete, 1693 zu HarderwyckO. der Medicin. Seine Disputation warOe ntilitate exploranlloruin exere-mentvrum in »seris, ut signorum". Nach seiner Rückkehr nach Leyden ent-