1092 3. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. 2. Capitct.
ihres immer nur menschlichen Regulatives der vermeintlich wahren Lehreniemals zu einem solchen Richteramte berechtigt'). Aber den flachen Ratio-nalisten gegenüber, auf deren Entfernung von theologischen Lehrstühlen diesePartei vergeblich drangt, so wie zur Erregung eines liefern religiösen Le-bens hat sie oft vortheilhaft gewirkt und sürdiegöttlicheWürdedesChristenthums gestritten. Wo sich aber die im hartnäckigen Wider-stande gegen die weltlichen Behörden entstandenen Conventikcl dieser Formenvollständig ausprägten, wie im Wupperthale und in Ostpreußen: da er-neuerte sich auch das schmachvolle Ende der meisten Sekten früherer Zeiten,die mit so rigoroser Strenge begonnen hatten ; man hörte von einer seltsamenMischung von Andacht, Askese und Wollust als Thaten (Muckerwesen).Aehnliches wiederholte sich in Nordamerika in der von Joseph Smith(1827) gestifteten Sekte der Mormonen^) oder der Heiligen der letz-ten Tage der Kirche Christi. Smith gab vor, am 27. Septb. 1827 vomEngel des Herrn eine auf Metallplatten eingegrabene Schrift empfangenzu haben, welche die Geschichte eines jüdischen Patriarchen Lehi enthält,der mit seiner Familie zur Zeit des Königs Zedekia von Jerusalem auszog,und nach langen Wanderungen endlich nach Amerika kam. Ihnen sei auchChristus erschienen und habe das Evangelium gepredigt; als aber in ihremStaate Gottesfurcht und Frömmigkeit untergegangen war, sei Mormo n,ein frommer Christ und ausgezeichneter Krieger, siegreich unter ihnen ausge-treten. — Im Westen des Staates Missouri bei Jndepcndence baute Smitbden ersten Tempel für die „Heiligen," ward aber bald hier wie ander-wärts vertrieben, und 1844 bei einem DolkSaufstande im Kerker ermordet.Sein Lehrsystem gebietet theilweise Güter - auch Weibergemeinschaft, gestat-tet wenigstens Vielweiberei, und ist nicht mit Unrecht mit dem Muhammeda-niSmuö verglichen worden. Die Anhänger nennen es „Theo-Dcmokra.ti e, " weil ihre Verfassung theokratisch ist mit einem Präsidenten, zwei Rä-chen und einem Patriarchen, denen noch zwei Unterbehörden folgen. AmSalzsee (Utah-Gebiet) haben die Anhänger eine blühende Stadt gegründetund viele Proselyten gemacht. Ja sie senden jetzt Sendboten in alle Wclttheile,um die Heiligen der letzten Tage zu taufen, und in das neue Sion am Salz-see zu versammeln, wobei sie häufig festgesetzt und dann auögewiesen werden,tz. 417. Der Unions- und Agendcnstrcit. Anglo-Prcuß. Bisthum.
Tittmann, üb. die Vereinigung. Lpz. 8l8. Rudelbach, Reformation,
Lutherthum u. Union. Lpz. 839. Harleß, üb. Union, Agende u. luth.
Kirche in Preuß. (Ztschr. f. Prot. u. Kirche. 23. Sept. 1839).
Bei so allgemeiner Verschiedenheit in dem Erkenntnißprincipe und Haupt-dogmen unter den Protestanten lag der Gedanke an eine Union nicht fern. Daspreußische Königshaus war eS besonders, das in drei verschiedenen Periodenvon 1798—1817, von 1817—1829 , und von da ab die Idee einer Unionzwischen beiden protestantischen Kirchen zu realisiren anfing. Eine Kabinets-ordre (18. Juli 1798) sprach die Hoffnung auS: beide Consessionen durcheine gemeinschaftliche Agende ungeachtet der bleibenden Verschiedenheit der
1) Baltzcr, Beiträge z. Vcrmittl. eines ruht. Urthcils. H. II. S. 73 ff.
2) In demselb. Sinne Nudelbach, das Wesen d. Rationalism. Lpz. 830.aber dagegen die Gutachten v. Ncandcr, Ullmann, Schott, B. Crusius, Bret-schneidcr, Schulz, Dan. v. Cölln u. m A.
3) Look ol Normoo. Look ok Louvenants. crstereS deutsch v. Pratt, eineStimme der Warnung u. Belehrung für alle Völker, a. d. E. Hamb. 853."Jörg, Gesch. d. Protest. Bd. II. S. 444—603.