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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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§. 416. Die Ncncvangclischcn (Pietisten).

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lmigc» unter den größer» Volksmassen undAufgeklärten" an Terrainwieder zu gewinnen, was sie in der tiefer und intensiver gewordenen prote-stantischen Theologie der neuesten Zeit verloren hatte. Hiebei wußte sie dieinzwischen innerhalb der kathol. Kirche ausgebrochene R o n g e b ewegung,die ihnen im Principe so ähnlich ist wie ein Ei dem andern, geschickt zu be-nutzen. Die Prediger Rupp in Königsberg, Uhl ich in Magdeburg,Wislieenns in Halle und Krausein Breslau gewannen für die seich-teste, willkürlichste Schriftauslegung im Sinne ihres platten Rationalismuszahlreiche Anhänger. Diese bildeten neue Religionsgemeinden , in welchennicht nur der symbolische Lehrgehalt der Lutheraner und Rcformirten, son-dern auch die letzten Spuren des positiven Christenthums beseitigt werdensollen. Mehrere von diesen Aposteln gehaltene Predigten, so wie dieDenkschrift') der zu Königsberg zusammengetretenen Gemeinde des >U.Rupp deuten unverkennbar darauf hin, noch mehr die mit Stimmen-mehrheit abgegebene Erklärung: daß die Taufformel auf dieDreieinigkeit zu verwerfen und dafür die im Namen Gottesund im Na men d e r G emeind e zu sub stitui ren se i.

§. 416. Die Neucvangelischcn (Pietisten).

Das alte Kirchenthum konnte durch alle diese Bestrebungen nicht gänz-lich verdrängt werde», sondern erhielt sich unter mehreren Sekten in Eng-land und Nordamerika, in Deutschland in einzelnen Familien, die sich zuConventikeln vereinigten. Hier erweckte die romantische Poesie der beidenSchlegel und Tieck in vielen Gemüthern die Sehnsucht nach der Frömmigkeitdes Mittelalters. Bei der Bcdrängniß des Vaterlandes hatte Schleier-mache r's') weit hintönende Stimme die Herzen wieder der Religion zuge-wandt, so wie endlich die wiedererlangte deutsche Selbstständigkeit an derVorväter frömmer« Sinn bei der bald folgenden 300jährigen »Jubelfeier desAuftretens Luthers um so ernster erinnerte. Der durch diese Momente er-folgte Umschwung des religiösen Lebens erhob sich als äußerster Gegensatzgegen die Herrschaft des Rationalismus und prägte sich zu einer mystisch-p i et i stischen N e act ion aus, die zunächst durch Conventikel und Trac-tätchen verbreitet wurde, seit 1827 aber in der Berliner EvangelischenK i r ch e n z e i tu n g ein beredtes Organ fand. Die Lehre und den Buch-staben Luther's repristinirend, hat diese Partei in dessen intolerantem Geisteund durch die theilweise äußere Aneignung der Frömmigkeit Spener's sichzum Vertreter der Orthodoxie aufgeworfen, alle andern Richtungen protestan-tischer Theologen verketzert, verdächtigt und als allgemeinen Abfall vomwahren Christenthum bezeichnet. Waren solche Klagen auch meist gegründet,so waren sie doch nicht protestantisch; auch war diese Partei vermöge

1> In dieser Denkschrift heißt cs:Da die bestehende Protestant. Kirche mitihren Symbolen und ihrer hierarchischen, jede freiere Entfaltung hemmenden Ver-fassung dem Bewußtsein der Gemeinde und dem religiösen Bedürfnisse der Gegen-wart nicht enlspricht, so find wir Unterzeichnete zu einer christlichen l? ! Gemeinschaftzusammcngctreten, welche an folgenden Grundsätzen festhalten will: 1 i Die LehreChristi von dem Wesen Gottes und des Menschen erkennen wir als die vernunft-gemäße Grundlage unserer religiösen Ucbcrzcugung und die thätige Bruderliebe,welche Christus forderte, als die höchste Aufgabe des sittlichen Lebens an; 2) derchristliches?! Geist wird sich am freiesten in einer wohlgeordneten Presbyterial-verfaffung entwickeln, in welcher die ganze Gemeinde vertreten ist."

2) Reden üb. Religion an die Gebildeten unter ihren Verächtern. Bcrl. 799.

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