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Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
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1090
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1090 3. Zeitraum. 2. Periode. 1. Zeitabschnitt. 2. Capitel.

historischen Christus an, vbschon der theologische Standpunkt mehrerer un-ter ihnen nicht eben zu einer Abfertigung berechtigte. Daher glaubte sichBruno Bauer aufgcfordert, die evangelische Geschichte ihrer letzten Grund-lagen zu berauben, welche Richtung die theologischen Jahrbücher von Zellerund die Jahrbücher der Gegenwart von Schwegler im Sinne des Prof.1>r. Baur lebhaft verfolgten, die Aechtheit der meisten N. T. Schriftenleugneten ^). Viele besorgten hievon einen gefährlichen Einfluß auf das nochgläubige Volk, bis der offen ausgesprochene Widerwille zu Zürich den zumProfessor der christlichens!) Dogmatik berufenen Strauß von derUniversität entfernt hielt und seiner ferner» Bedeutsamkeit eine Schrankesetzte 2). Hiemit schien aber auch der Kreislauf der Häresie innerhalb derchristlichen Kirche zu völligem Abschluß gekommen zu sein, da sich das Un-vermögen , noch etwas Neues hierin zu erzeugen, recht sichtbar kund gibt.Denn abgesehen von den meisten andern keineswegs originellen Behauptungendes Strauß trifft der Mittelpunkt seiner Dogmatik, die Christologie,buchstäblich mit dem Juden Philo zusammen in der Anschauung des Christusund Logos, so daß also das Ende der falschen Speculation in der christlichenKirche wörtlich dem Anfänge gleicht ff).

Und in der That erhob sich die ncuhegclsche Schule in den Haller unddeutschen Jahrbüchern von Arnold Rüge sogleich über die christliche Kirche, inden verschiedensten. Formen behauptend: das eben sei die Mission der protestanti-schen Kirche, den Glauben an das evangelische Christenthum selbst auszurotten;Luther sei nur der Vorläufer des größer» Hegel gewesen; der Protestantismuskönne eristiren ohne die mit Jrrthümcrn aller Art selbst in den höchsten Lebens-fragen angcfülltc und darum antiquirte Bibel blos durch die Wissenschaftund auch ohne Sittcnzucht durch die s. g. Bildung. Und nachdem aus dein reli-giösen Gebiete in rascher Ucbcrstnrzung auf Strauß Fcuerbach') undBruno Bauer gefolgt war, proclamirtc Rüge auf dem politisch-socialen Feldestatt des verbraucht erklärten Liberalismus den Demokratismus und die Vorbe-reitung auf den Communismus, namentlich im Programme für 1843!

Hatte diese Bewegung im Gewände der Phil osoph ie und Politikeine Niederlage erlitten, so erhob sich nun die aus der Schule des s. g.com-m un en Rationalismus eines Wegscheider zu Halle, David Schulzzu Breslau, Röhr in Weimar und Paulus zu,Heidelberg stammendeFraction mit dem anziehenden Aushängeschilde als Lich tfreunde" destonachdrücklicher, und suchte durch Zeitungspolemik und öffentliche Versamm-

1) Bruno Bauer, Kritik der cvang. Geschichte der Spnoptikcr. Lpz. 84l.2 Bdc. Derselbe, d. evangel. Landeskirche Preußens u. d. Wiffcnsch. 2. Ausg.Lpz. 842. Vgl. die Rcccns. d. erst. Schrift in d. Frcib. Ztschr. f. Thcol.842. Bd. VII. S. 333 ff. u. Marr u. Engels, die h. Familie od. Kritik, d.krit. Kritik gcg. B- Bauer u. Consortcn. 845. Thiers ch, einige Worte üb. d.Aechtheit der N. T. Schriften re. z. Erwiderung auf d. Schrift d. F. Ehr. Baurin Tübingender Kritiker u. der Fanatiker." Erlang. 846.

2> Vgl.Berufung des I)r. Strauß nach Zürich." (Histor. politisch. Bläkt.Bd. III. S. 321 49.) Gclzer, die Strauß'schcn Zerwürfnisse in Zürich v.1839. z. Gesch. d. Protestantismus. Hamb. 843.

ff) Strauß, die christl. Glaubens!, in ihrer geschiehst. Entwick. und imKampfe mit der modernen Wissensch. Tüb. u. Stuttg. 840 ff. 2 Bde. Diese Glau-bens!. allgem. fasst, bärgest, v. Philalethes. Const. 841 ff. Nach Strauß wienach Philo ist der Logos das Menschengeschlecht: -/i»«;.

1)6 80 MNÜ 8 lib. II. (opx>. 6(1. Llang. 1. I. p. 683.) vgl. S ta u d c n IN a ie r,Philos. d. Christcnth. Bd. I. S. 810-19.

31 Feuerbach, das Wesen d. Christenthums. Lpz. 841. Vgl. d. *Rccens. ind. Freib. Ztschr. f. Theol. 842. Bd. VIII- S. 151 ff.