§. 414. Versuche, den svmbol. Protestantismus ausrecht zu erhalten re. 1087
flärerischcn Treibens -f), ihr ungeheurer Beifall aber ein Beweis fast allge-meinen JndifferentismuS.
ES bildete sich daher bald ein Gegensatz, der Supranaturalismus,der in der h. Schrift eine üb er na tür li ch e Offenbarung anerkennt,und an der Lehre der Kirche mehr oder weniger streng festhält. Die vorzüg-lichsten Vertreter desselben waren Reinhard (ff 1812), Storr (->-1805), Schwarz, Schott, Knapp, Tittmann, Hahn, Tholuck,Steudel, so wie überhaupt die frühere Tübinger Schule, Harleß u. A.Sie hielten an dem historischen Inhalte des Christenthums als göttlicherOffenbarung fest, und haben sich um tiefere und reinere Erfassung der christ-lichen Lehre ungleich verdienter gemacht als die Rationalisten'). Einige andereTheologen wieTzschirner (ff 1828) und Bretschneider suchten beideRichtungen in verschiedener Weise mit einander zu verbinden, behauptend:„Rationalismus und Supranaturalismus könnten in der protestantischenKirche mit und neben einander bestehen," wodurch nothwendig dogmatischeGleichgültigkeit erzeugt werden musste.
Eine neue Bewegung entstand durch Einwirkung der Systeme Schel«ling's^) und Jacobi'S auf die Theologie, wovon das erste auch in derneuen Phase „der positiven Philosophie" weniger dem Christen-thume als dem Pantheismus huldigte (ff 1854). Darnach traten Daubund besonderöFriedrich Schleiermacher (ff 1834) mit der Glau-benslehre des religiösen Gemüthes auf'); ihm schloss sich inetwas abweichender Weise de Wette*) an. Die Lchrweise ist im All-gemeinen rational, dennoch sagte sie den s. g. Rationalisten nicht zu, weilsie in derselben Dogmen geachtet fanden, die sie längst als unvernünftigverworfen hatten, und brandmarkten die Vertreter als Allcgoriker des Pan-theismus und der Täuschung. Diese dagegen crwiedcrtcn, die Rationalistenfänden das höchste Gesetz in der Vernunft, und doch hätten sie noch gar nichtwissenschaftlich dargcthan, waö die Vernunft sei, und wie sie sich zur Reli-gion verhalte. Diese Bahn verfolgten in loserem oder festerem Verbände mitder Kirchenlehre theilweise Twesten und Nitzsch in Berlin, Carl Haseund Baum g arten-Crusiu s in Jena, Ullmann, Julius Müll er inHalles, wogegen bei Markeineke, Prof, zu Berlin (ff 1846) und Daub
ff) Vgl. Krü. Beleuchtung d. Stund, d. Andacht. Wien 824. Jvcn, die un-christl. Tendenz d. Stund, d. Andacht. Köln 827. Die Stund, d. Andacht ein Werkd. Satans v. Or. G. Christlich Soloth.8I8. s. Freib. Kirchcnbl. 857. Nr. 5—9.
1) Storr, christl. Dogmat. Hrsg. v. Flatt. Stuttg. 803. 2 Bdc. Rein-hard, Vorlesungen üb. d. Dogmat. Hrsg. v. Berger 801. v. Reinhard selbst806. v. Schott 818; Schwarz, Grundriß d. kirchl. Protestant. Dogmat. 816.Knapp, Vorlesungen üb. d. christl. Glaubens!, nach d. Begriff d. cvang. Kirche.827. Hahn, Lehrbuch des christl. Glaubens. Lpz. 828. Stendel, Glaubens!,d. cvang. Protest. Kirche. Tüb. 834. Tholuck, d. Lehre v. d. Sünde u. v. Ver-söhner rc. 823 ff. Harlcß, d. christl. Ethik. 4. A. Stuttg. 850.
2) Ritter, Gesch. d. Philosophie Bd.XII. Freib. Zcitschr. für Thcol. Dd.VIll. histor. polst. Blätter Bd. IX. u. X.
3) Schlerermacher, der christl. Glaube nach d. Grundsätz. d. cvang. Kirche.Brl. (821) 830 ff. 2 Bdc.
4) De Wette, christl. Dogmatik in hist. Entwickl. Brl. (816) 821. 2 Bde.
5) Tw esten, Vorlesungen üb. die Dogmatik nach d. Compend. v. de Wette. 4.Aufl. 838. 2 Bdc. Nitzsch, System d. chr. Lehre. Bonn 829 ff. Hase, Lchrb.d. cvang. Dogmat. (826. 2 A. Lpz. 838. Ullmann, die Sündelostgkeit Jesu.6. A. Hamb. 8S3. Jul. Müller, d. Lehre v. d. Sünde. 839 ff.)