Druckschrift 
Universalgeschichte der christlichen Kirche : Lehrbuch für akademische Vorlesungen
Entstehung
Seite
1070
Einzelbild herunterladen
 

1070 3. Zeitraum. 2. Periode. 2. Zeitabschnitt. 1. Capitcl.

protestantisch und dem Umfange der Lehre nach, namentlich bezüglich derSacramente noch katholisch bleiben*). Doch aus dem s. g. Concilezu Leipzig (Ostern 1845) gab Czerski seine Zustimmung zu dem Glau-benssymbole des vollständigsten christlichen Nihilismus^). Und ein solchesMachwerk nannte manDeutschkatholicismus" undchristlichapostolisch katholische Kirche," obschon, wie auch der ProtestantUllmann richtig bemerkt hat, es den Urhebern und Vertretern desselbenum nichts weniger als den historischen Katholicismus zu thun ist, und siedarum auf den NamenKatholiken" nicht das mindeste Recht Habens.Diese Benennung mußte darum als eine Verunglimpfung für die Katholikenerscheinen und wurde dann auch von den weltlichen Behörden freilich in diegleichfalls unpassende Bezeichnungk a th ol. Dissidenten" umgewandelt.

Ans mancherlei Motiven ließ die preußische Regierung diese Apostel desUnglaubens und der Propaganda des Antichristianismus in der ganzen Mo-narchie umherziehen, die kathol. Kirche und ihre Institute in Schrift und Redeverhöhnen, so daß die Katholiken Angesichts der ihnen feierlich garantirtenRechte und Verheißungen aus Schutz gegen jegliche Unbill und Verunglimpfungdie äußerste Beschimpfung ertragen mußten. Bald genug wurde aber dieprcuß. Regierung in ihren Erwartungen und Voraussetzungen bitter getäuscht:nachdem nämlich die sektirerische Bewegung die unstäten Elemente der nichtallzu zahlreichen Schein-und Namenkatholiken an sich gezogen, schlugsie, wo sie auch allein ihre Wurzel h at, sofort in das Gebiet derprotestantischen Kirche hinüber. Die Lichtfreunde in derselben wurdennun kühner und nahmen die Freiheit, welche man den katholischen Apostatengestattet, auch für sich in Anspruch*):der Riß ging, sagten protestan-tische Theologen^), tiefer durch die protestantische Kirche alsdurch die römische." Die scheinbar religiöse Bewegung schweifte aberbesonders durch Dowiat noch durch verwegene communistische Aussprüchein rascher Ueberstürzung aufdaspolitische Gebiet hinüber, an den Fundamen-ten des Thrones ebenso wie an denen des Altars wühlend. Jetzt mußte selbstGervinus^) trotz aller Ueberschätzung und gar zu kühner Erwartungen ge-stehen: diesen Bestrebungen liege nichts Theologisches zu Grunde, sondern vor-herrschend eine Aufregung der Massen, und daß das politische Moment essei, welches der ganzen Bewegung den Druck gebe. Beiderlei Wirkungenveranlaßten denn auch nach dem Vorgänge mehrerer deutschen Regierungen(in Hannover, Hessencassel, Oesterreich) die preußische zu strengern Vor-sichtsmaßregeln gegen die s. g. kathol. Dissidenten. Hat es ihnen ja schon

1) Beleuchtung d. Glaubcnsbckcnntn. d. Schneidcmühler Sekte. Posen <Dec.)844. Offenes Sendschreiben an Joh. CzcrSki v. ein. röm. kathol. Wcltpricst. tu.Studicngcnoss. Czcrski's). Posen 845. Offenes Sendschreiben an röm. kathol.Christen auf Vcranl. der Rechtfertig. Czcrski's v. Jurck. Lissa 845.

2) Leipz. Glaubcnsspmbolum:Ich glaube an Gott den Vater, derdurch sein allmächtiges Wort die Welt geschaffen und sic in Wahrheit, Gerechtig-keit u. Liebe regiert. Ich glaube an den heil. Geist, eine heil, allgcm. christlicheKirche, Vergebung der Sünden u. ein ewiges Leben. Amen."

3) Ullmann, Bedenken üb. die dcutsch-kathol. Bewegung. (Thcol. Stu-dien u. Kritiken 1845. H. IV.)

41 Da denselben diese nicht wurde, so versicherte Rouge in einem Schreiben,die Protestanten treten zu uns über; sic fühlen u. fürchten den Druck von oben.

5) Köhler u. Klopsch, Repertorium der KG. Glogau 845. S. 345.

6) Mission der Deutschkatholiken. Heidelb. 845.