§. 411. Die kathol. Litteratur, besonders in Deutschland re. 1067
läßt immer noch eine Verständigung mit dem heiligen Vater in Rom erwar-ten, da sie in diesem ja in Wort und That den Nachfolger Petrianerkennen. Doch war die zur Verständigung beliebte Nachweisunghermesischer Doctrinen in der öiie^eliea P. Pius IX. der ungeeignetsteWeg. Es erfolgte alsbald die Abweisung des h. Vaters sammt erneuertervollständiger Billigung der Censur der hermesischen Doctrinen ^) durch P.Gregor XVI.
Ein ähnlicher Streit hat sich nach vereinzelten Beschuldigungen unkirch-licher Lehrsätze und Beschwerden über wissenschaftlichen Hochmuth und grobeAusfälle seit 1850 gegen den Wiener Weltpriester Anton Günther undseine Anhänger entsponnen, in Folge dessen beide Parteien die Streitpunktedem apostolischen Stuhle zur Beurthcilung und Entscheidung vorgelegt ha-ben* *), die durch Decret vom 20. Febr. 1857 eine verurtheilende war. ZurFreude des hl. Vaters unterwarf sich Günther sofort (inZenue, religiöse ueIguäsbiliter se sulsieoit verkündete Pius IX.)
Sekten.
In der Zeit des politischen Druckes durch Napoleon und der damit ver-bundenen Auflösung der kirchlichen Zustände tauchten in Oesterreich mehrereaftermystische Sekten auf. Zunächst verfiel der Priester Martin BooS in eineschwärmerische Richtung, in welcher er die lutherische Rechtfertigungslehre durchden alleinigen Glauben an Christi Versöhnungstod in ercentrischerWeise verkündete. Trotz Verfolgung und Einkerkerung gewann er mehrereAnhänger selbst unter den Geistlichen der Diöcese Linz, aus der er vertriebenward, und als Pfarrer zu Sayn unweit Neuwied starb (1825). In der-selben Diöcese stiftete Thomas Pöschl aus Böhmen die noch mehr fana-tische Sekte der Pöschlianer, denen sich angeblich Gott und die Mutter Got-tes offenbarten und sie zur Reinigung auffordertcn. Der Anfang dazu wurdedamit gemacht, daß jedes Mitglied ein aufregendes Pulver einnehmen mußte,„um den Teufel von sich auszutreiben." Die Napoleonische Herrschaft schienihnen der Vorbote des nahenden Antichrists und des 1000jährigen Reicheszu sein. In der Charwoche 1817 steigerte sich der Fanatismus der Sektebis zur Darbringung eines Menschenopfers. Nun ward sie durch richter-lichen Spruch in Salzburg unterdrückt, die Fanatiker durch Jnhaftirung un-schädlich gemacht; Pöschl starb zu Wien im Priesterkrankenhause (1837).
1) Vgl. Katholik >847. Scptb. Bonner Zcitschr. für Philos. u. kathol.Theol. v. Achtcrfeld u. Braun. H. 64.
*) Aufsätze für u. gegen Günther in der alten u. neuen Sion; in d.Augsb. Postzcitung; in d. Würzb. kathol. Wochenschrift. — Mattes,Günther, u. s. Bcrhältn. zur neuen theolog. Schule (Tüb. theol. Q,-Schr. 1844.3. H. S. 347—416.). Clemens, die spcculative Theologie Günther's u. diekathol. Kirchenlchrc. Cöln 853. Baltzcr, neue theol. Briefe an vr. Aut. Gün-ther. Brsl. 853. 2 Serien. Knoodt, Günther u. Clemens. Offene Briefe. Wien853. Clemens, offene Darlegung d. Widersprüche d. Günth. Spcculation mitd. kathol. Kirchenlchrc durch Prof. Knoodt. Cöln. 853. Oischinger, die Günth.Philosophie, Schaffh. 852. Michelis, die Günth. Philos. Münst. 854. Zu-krigl, krit. Untersuchung üb. d. Wesen d. verminst. Geistscele u. der psychischenLeiblichkeit des Menschen. Regensb. 854. Hitzselber, die neuesten Verhandlun-gen üb. d. speculativ. Theol. vr. A. Günther's u. sr. Schule. (Tüb. theol. Q. -Schr. H. 1.) Derselbe, die Theol. u. Polemik der Güntherianer (Tüb. Q.-Schr. 854. H. 4). Antwort Günther's darauf im letzt. Bd. der Lydia v. 854.Anton Günther u. die Vcrhandl. üb. snc Philosophie (v. einem kathol. Gottes-gelehrten) in A. A. Z. Nr. 189 zum 8. Juli Beilage.